Drei gemeinsame Veranstaltungen mit der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien

Ara Zohrabyan (2.v.l.), Präsident der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien, IRZ-Experte Rechtsanwalt Jan Helge Kestel (rechts daneben) und Mitglieder des Ethikkommission der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien
Ara Zohrabyan (2.v.l.), Präsident der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien, IRZ-Experte Rechtsanwalt Jan Helge Kestel (rechts daneben) und Mitglieder des Ethikkommission der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien
Armenien

Auf Wunsch der armenischen Rechtsanwaltskammer organisierte die IRZ gemeinsam mit der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) drei Veranstaltungen zu den Themen anwaltliche Berufsethik sowie Umgang mit Medien und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Workshop für die Mitglieder des Ethikrats der armenischen Rechtsanwaltskammer zum Thema anwaltliche Berufsethik machte den Auftakt der Veranstaltungsreihe. Er fand am 12. und 13. Mai 2019 in Tsagkhadzor statt. Dort war Rechtsanwalt Jan Helge Kestel von der Rechtsanwaltskanzlei Caemmerer Lenz in Erfurt als Referent eingeladen. Jan Helge Kestel ist als Präsident der Rechtsanwaltskammer Thüringen und Mitglied des Ausschusses für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der BRAK ein ausgewiesener Experte zum Thema, in das zunächst der Präsident der armenischen Rechtsanwaltskammer, Ara Zohrabyan, einführte. Ara Zohrabyan referierte zur Situation und zum Stand der anwaltlichen Berufsethik in Armenien sowie zum Ehrenkodex. Anschließend widmeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops ausführlich folgenden Themen:

  • Einführung in das anwaltliche Berufsrecht in Deutschland (Kammerwesen, Aufsicht, Organisation),
  • allgemeine Aspekte der anwaltlichen Berufsethik in Deutschland,
  • Berufsrecht der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, 
  • Sanktionsmöglichkeiten und Maßnahmen der Kammergerichtsbarkeit,
  • anwaltliches Gesellschaftsrecht in Deutschland,
  • Syndikusrechtsanwältinnen und Syndikusrechtsanwälte – Grundlagen und Besonderheiten,
  • Vergütungssysteme, 
  • anwaltliches Marketing aus ethischer Sicht sowie
  • das System der Fachanwaltschaften.

An den beiden darauffolgenden Tagen ging es darum, wie Rechtsanwaltskammern ihren Umgang mit Medien und ihre Öffentlichkeitsarbeit gestalten können. Die themengleichen Seminare fanden am 14. Mai in Eriwan und am 15. Mai in Gyumri statt. Jeweils rund 40 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte nahmen an den Veranstaltungen mit großem Interesse teil. Nach der Einführung durch Hayk Hakobyan, Pressesprecher der armenischen Rechtsanwaltskammer, der über deren Verhältnis zu den armenischen Medien referierte, stellten Jan Helge Kestel und Rechtsanwältin Stephanie Beyrich, Geschäftsführerin und Pressesprecherin der BRAK, die Kommunikationsstrategie der BRAK vor, berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsarbeit und hielten Vorträge zu folgenden Themen: 

  • Vergleich der Pressearbeit auf Bundesebene und regionaler Ebene,
  • Standortbestimmung zum Verhältnis „Journalisten - BRAK“ und „Journalisten - RAK“,
  • Anknüpfungspunkte für eine erfolgreiche Pressearbeit, 
  • Werkzeuge einer erfolgreichen Pressearbeit, u.a. Netzwerk- und Presseverteiler, Presseerklärungen, Informationsdienstleistungen der Bundesrechtsanwaltskammer, Veranstaltungen für Journalisten,
  • Umgang mit negativer Presse,
  • Spannungsfeld zwischen (regionaler) Pressearbeit und Verschwiegenheitspflicht.

Diese beiden Seminare fanden zusätzlich zu der Veranstaltung im Dezember 2018 statt, da aus Kapazitätsgründen zum damaligen Zeitpunkt nicht alle interessierten 70 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte teilnehmen konnten. Die armenische Rechtsanwaltskammer bat die IRZ deshalb, dieses Seminar noch zweimal zu wiederholen, um Interessierten die Möglichkeit zur Teilnehme zu geben und dabei mit dem Seminarort Gyumri auch die Anwaltschaft aus den Regionen zu berücksichtigen. Von den insgesamt drei Veranstaltungen konnten auf diese Weise 95 Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren.

Workshop mit der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien zum Thema Öffentlichkeitsarbeit

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops mit der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops mit der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien
Armenien

Am 13. Dezember 2018 fand in Kooperation mit der armenischen Rechtsanwaltskammer ein Workshop in Eriwan zum Thema Öffentlichkeitsarbeit der Rechtsanwaltskammern statt. Die Veranstaltung wurde zusammen mit der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) organisiert und durchgeführt. Eröffnet wurde der Workshop durch den Präsidenten der Rechtsanwaltskammer der Republik Armenien, Ara Zohrabyan, die Projektkoordinatorin der IRZ in Armenien, Nelly Tumasyan, und durch die Geschäftsführerin der BRAK, Rechtsanwältin Dr. Veronika Horrer.

Der Pressesprecher der armenischen Anwaltskammer, Hayk Hakobyan, referierte zunächst über das Verhältnis zwischen der armenischen Anwaltskammer und den armenischen Medien. Anschließend stellten Rechtsanwältin Stephanie Beyrich, Geschäftsführerin und Pressesprecherin der BRAK, sowie Rechtsanwalt Jan Helge Kestel, Präsident der Rechtsanwaltskammer Thüringen und Mitglied des Ausschusses für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der BRAK, die Kommunikationsstrategie der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) vor. Im Zentrum des Workshops standen vor allem folgende Themen:

  • Pressearbeit auf Bundesebene (Bundesrechtsanwaltskammer, BRAK) und  regionaler Ebene (regionale Rechtsanwaltskammer, RAK) im Vergleich;
  • das Verhältnis zwischen BRAK und Journalistinnen und Journalisten;
  • Anknüpfungspunkte für Pressearbeit;
  • Erfahrungsbericht aus Sicht einer Pressesprecherin der BRAK und eines Präsidenten einer regionalen Rechtsanwaltskammer sowie
  • Werkzeuge einer erfolgreichen Pressearbeit.
An der Veranstaltung nahmen rund 45 armenische Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte teil, die sich sehr lebhaft an der Diskussion beteiligten. Der Workshop wurde derart positiv aufgenommen, dass die Vertreter der armenischen Anwaltskammer den Wunsch äußerten, dieselbe Veranstaltung für Vertreterinnen und Vertreter der Anwaltschaft aus der Hauptstadt und den Regionen in Eriwan und zwei weiteren Standorten anzubieten.

Training of Trainers für die armenische Justizakademie

Eröffnung des Training: Martin Hussels, stellv. Direktor des AG Tettnang, und Anahit Manasyan, Porektorin der Justizakademie (Präsidium 2. u. 3.v.l.)
Eröffnung des Training: Martin Hussels, stellv. Direktor des AG Tettnang, und Anahit Manasyan, Porektorin der Justizakademie (Präsidium 2. u. 3.v.l.)
Armenien

Wie gestalte ich Unterricht möglichst anschaulich? Wie bleiben Informationen am besten bei meiner Zielgruppe haften? Mit welchen Mitteln werde ich konkreten Trainingsbedürfnissen am besten gerecht? Dies waren einige der Leitfragen, denen sich ein „Training of Trainers“ widmete, das die IRZ am 22. und 23. September 2018 in Kooperation mit der Justizakademie der Republik in Armenien in Tsaghkadzor durchführte.

Die Justizakademie ist in Armenien mit der Ausbildung angehender Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte beauftragt und führt daneben auch Fortbildungsveranstaltungen für Angehörige in der Justiz durch. Fast alle Schulungen der Akademie werden durch Dozentinnen und Dozenten aus der Justizpraxis oder durch Angehörige der Universitäten durchgeführt. Bei vielen dieser nebenberuflichen Trainer besteht Bedarf, sich Grundkenntnisse in Unterrichtstechnik, Kommunikation sowie dem sinnvollen Einsatz von Hilfsmitteln im Unterricht anzueignen.

Im Rahmen des zweitägigen Trainings skizzierte Martin Hussels, Richter und zugleich stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Tettnang, seine Vorgehensweise bei der Entwicklung eines Trainingsprogramms und näherte sich den o.g. Fragen Schritt für Schritt. Dabei behandelte er eine große Bandbreite an Themen: von Theorien über Lernstilen von Erwachsenen bis zu praktischen Details in Vorbereitung einer konkreten Veranstaltung, etwa der Anordnung von Tischen, um eine gute Kommunikation mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu ermöglichen. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung als Universitätsdozent, Trainer an der Deutschen Richterakademie und nicht zuletzt als Experte der IRZ in zahlreichen Projekten erreichte er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer trotz der Sprachbarriere schnell, so dass es zu einem lebhaften Austausch über diese Themen kam.

Sowohl die Vertreter der Justizakademie als auch zahlreiche einzelne Rückmeldungen machten deutlich, dass das Training viele praktische Hilfestellungen bieten und damit seinen Zweck voll erfüllen konnte.