Bosnien und Herzegowina

Am 26. November fand in Banja Luka am Edukationszentrum für Richter und Staatsanwälte der Republika Srpska, der kleineren der beiden Entitäten Bosnien und Herzegowinas, ein gut besuchtes Seminar für neu eingestellte Richterinnen und Richter zur Einführung in das Europarecht statt. Veranstaltet wurde es vom Edukationszentrum in Zusammenarbeit mit der IRZ. Ziel der Veranstaltung war es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor allem praxisrelevante Kenntnisse zu vermitteln.

Referent war zum einen der deutsche Rechtsanwalt Holger Hembach, der die europäische Menschenrechtskonvention als Bestandteil des Europarechts im weiteren Sinne behandelte. Da Hembach über mehrere Jahre Mitarbeiter der OSZE sowohl in Mazedonien als auch Serbien war, konnte er hierbei seine Erfahrungen aus der Region einbringen.

Zum Europarecht im engeren Sinne referierte Professor Dr. Zlatan Meskić, Juristische Fakultät Zenica, der in Wien zum europäischen Verbraucherschutz promoviert wurde, und auch an Fakultäten im westlichen Ausland (u.a. Saarbrücken und Pittsburgh, USA) regelmäßig Lehrveranstaltungen im Europarecht für Studierende aus Nicht-EU-Mitgliedstaaten hält.

Meskić legte seinen Schwerpunkt auf die Anwendung der Vorschriften des Verbraucherschutzgesetzes des Staates Bosnien und Herzegowina im Lichte der einschlägigen EU-Richtlinien. Dabei zeigte er anhand konkreter Beispiele auf, wie durch einen Rückgriff auf die entsprechenden EU-Richtlinien in ihren verschiedenen sprachlichen Fassungen europarechtswidrige Gesetzesauslegungen, die durch ungenaue Übersetzungen bei Ausarbeitung nationaler Vorschriften drohen, vermieden werden können.

Das Konzept der Veranstaltung, bei der viele Fälle analysiert wurden, schloss Diskussionen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein. Diese berichteten von eigenen Fällen. Thematisiert wurde dabei insbesondere die Beurteilung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Hier besteht die Besonderheit, dass bereits das gesamtjugoslawische Schuldrechtsgesetz von 1978, das heute noch in einigen Nachfolgestaaten, darunter auch Bosnien und Herzegowina, gilt, Vorschriften über AGB enthielt. Dieses Gesetz lässt viele Fragen offen, die sich nun in der Zusammenschau des Verbraucherschutzgesetzes des Staates Bosnien und Herzegowina mit der Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 5. April 1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen klären lassen.

Durch Maßnahmen dieser Art im Weiterbildungsbereich unterstützt die IRZ die Westbalkanstrategie der EU durch Stärkung der Fähigkeit der Justiz, die nationalen Vorschriften bereits heute europarechtskonform anzuwenden.