Absolventinnen und Absolventen sowie Professorinnen des Begleitstudiums mit Christian Sedat (2.v.r.) von der deutschen Botschaft
Absolventinnen und Absolventen sowie Professorinnen des Begleitstudiums mit Christian Sedat (2.v.r.) von der deutschen Botschaft
BuH

Am 29. Januar 2019 fand in Sarajevo die Verleihung der Zertifikate an die dritte Generation des deutschsprachigen Begleitstudium im deutschen Recht an der Juristischen Fakultät Sarajewo statt. Den Rahmen der Verleihung bildete eine Veranstaltung zum Einfluss des deutschen Rechts auf das Recht von Bosnien und Herzegowina sowie zu Fragen der Rechtsübersetzung von der deutschen in die bosnische Sprache und umgekehrt.

Eröffnet wurde diese Veranstaltung von der Prodekanin für internationale Zusammenarbeit, Prof. Dr. Zinka Grbo, die auch einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten während der fast 20-jährigen Zusammenarbeit zwischen der Fakultät und der IRZ gab. Anschließend betonte Christian Sedat als Stellvertreter der deutschen Botschafterin Christine Hohmann in seinen Grußworten die Bedeutung und die Nachhaltigkeit der Unterstützung der Ausbildung zukünftiger Juristinnen und Juristen. Darüber hinaus seien die Absolventinnen und Absolventen des Ergänzungsstudiums auch besondere Botschafter der Zusammenarbeit von Deutschland und Bosnien und Herzegowina.

Die fachliche Betreuerin des Begleitstudiums, Professor Dr. Meliha Povlakic, hielt anschließend einen Vortrag über den Einfluss des deutschen Rechts auf das Recht Bosnien und Herzegowinas. Einleitend wies sie darauf hin, dass die bisherigen Absolventinnen und Absolventen des Begleitstudiums von erheblichen Vorteilen bei der Bewerbung um Arbeitsstellen berichten. Bezüglich des Einflusses des deutschen Rechtes auf dasjenige von Bosnien und Herzegowina hob sie hervor, dass dieser konjunkturellen Schwankungen unterliege. Sie bedauerte auch, dass Reformschritte, die sich klar am deutschen Recht orientierten, nachträglich wieder rückgängig gemacht wurden. Sie sprach in diesem Zusammenhang von einer „Zirkulation der Rechtsmodelle“.

Im anschließenden Vortrag „Ausgewählte Probleme bei der Translation im Rechtsbereich“ wies Dr. Stefan Pürner, Bereichsleiter der IRZ für u.a. Bosnien und Herzegowina, darauf hin, dass bei der Übersetzung von Rechtstexten der EU in die bosnische Sprache die Verwendung von deutschen Ausgangstexten klar derjenigen von englischen vorzuziehen sei. Er begründete es damit, dass sowohl die Sprachen als auch die Rechtssysteme Bosniens und Herzegowinas sowie Deutschlands kompatibler seien als dies im Verhältnis zur englischen Sprache und zum Common Law der Fall sei. Insofern sei für angehende Juristinnen und Juristen aus Bosnien und Herzegowina das Erlernen der deutschen Sprache von Vorteil.

Den Schwerpunkt der Veranstaltung bildete der Erfahrungsbericht von Kanita Purscanovic, einer Absolventin des Begleitstudiums, die inzwischen als Assistentin an einem strafrechtlichen Lehrstuhl arbeitet. Sie stellte den Verlauf des Studiums, die dabei erworbenen Zusatzkenntnisse sowie die gemeinsamen Veranstaltungen mit Studierenden aus anderen jugoslawischen Nachfolgestaaten dar.

Bei der Veranstaltung wurde nochmals der große praktische Nutzen der „IRZ-Bibliothek des deutschen Rechts an der Juristischen Fakultät in Sarajevo“ hervorgehoben, die dank einer großzügigen finanziellen Unterstützung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) eingerichtet werden konnte.

Bei der Ausarbeitung des Curriculums dieser Zusatzausbildung orientierte man sich an den Erfahrungen des ostrechtlichen Begleitstudiums an der Universität Regensburg, das dort von Prof. Dr. Dres. h.c. Friedrich-Christian Schroeder entwickelt wurde. Professor Schroeder ist wissenschaftlichen Leiter des Instituts für Ostrecht München mit Sitz in Regensburg e.V. (IOR), mit dem die IRZ eng zusammenarbeitet.