Förderung des deutschsprachigen juristischen Nachwuchses und Stärkung der Rolle des deutschen Rechts

Gruppenarbeit an deutschen juristischen Texten

Gruppenarbeit an deutschen juristischen Texten

Die Projektarbeit der IRZ in Bosnien und Herzegowina hatte im Juni 2013 überwiegend die Unterstützung des deutschsprachigen und am deutschen Recht interessierten juristischen Nachwuchses im Fokus. Den Auftakt der Veranstaltungen bildete ein einwöchiger Blockkurs zur Didaktik/ Vermittlung von Rechtsterminologie und zur Übersetzung juristischer Texte an der Juristischen Fakultät der Universität Sarajevo. Teilnehmer dieses Kurses waren u.a. die Dozentinnen, die im Rahmen des von der IRZ und der Juristischen Fakultät in Sarajevo gemeinsam ausgerichteten Begleitstudiums im deutschen Recht das Fach deutsche Rechtsterminologie lehren sowie Teilnehmer des Begleitstudiums. Hauptveranstalter dieses von der IRZ unterstützten Kurses war der DAAD, mit dem die IRZ vielfach in Bosnien und Herzegowina zusammenarbeitet.

Daran schloss sich die Veranstaltung zum Thema "Juristisches Arbeiten in der Praxis" für die Teilnehmer des Begleitstudiums an. Hier wurde z.B. die Bedeutung von sogenannten „soft skills" im juristischen Berufsalltag behandelt. Zudem wurden die Teilnehmer in Kommunikationstechniken und der Erstellung von Bewerbungsunterlagen trainiert. Die in deutscher Sprache durchgeführten Veranstaltungen zeichneten sich durch eine rege Beteiligung der Teilnehmer aus. Der Rechtsterminologiekurs führte sogar zur Gründung einer entsprechenden facebook-Gruppe durch einen Teilnehmer.

Außerdem versandte die IRZ erneut eine große Anzahl an Büchern an die "IRZ-Bibliothek des deutschen Rechts an der juristischen Fakultät der Universität Sarajevo". Diese Bibliothek ergänzt das Begleitstudium und ermöglicht den vielen deutschsprachigen Nachwuchsjuristen im Lande die Behandlung von Themen des deutschen Rechts in Seminar-, Magister-und Doktorarbeiten. Insgesamt wurden mittlerweile fast 400 kg Literatur (Standardkommentare und Lehrbücher, aber auch Monographien und Zeitschriften) nach Sarajevo transportiert. Diese konnten unter anderem dank einer größeren Spende des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) angeschafft werden.

Bezüge zum deutschen Recht und seiner Rolle als Orientierungsrecht in der Region hatte auch die Einladung der IRZ zum jährlichen Runden Tisch der "Juristischen und artverwandten Bibliothek Südosteuropas" (gemeint ist das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens) in Neum, ebenfalls Bosnien und Herzegowina. Diese Veranstaltung, an der Vertreter der Universität- und anderer Bibliotheken aus Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien teilnahmen, bildete einen Teil der von der Juristischen Fakultät Mostar bereits zum elften Mal ausgerichteten Internationalen Konferenz „Aktuelles aus dem Bürgerlichen Recht und dem Handelsrecht". Auf Bitten dieser Vereinigung stellte die IRZ dabei ihre zahlreichen Publikationen in den Sprachen der Region (darunter auch die „Edition deutsches Recht" und die „Zeitschrift für regionales, deutsches und europäisches Recht") vor. Außerdem wurde dabei eine weitere Zusammenarbeit vereinbart, die die Verbreitung der IRZ-Pubikationen in den Sprachen der Region über dieses Bibliothekennetzwerk beinhaltet.

Einführungsseminar deutsches Recht für bosnisch-herzegowinische und serbische Studierende in Sarajewo

  • Angeregte Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

    Angeregte Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

  • In entspannter Atmosphäre

    In entspannter Atmosphäre

Vom 15. bis 17. Juli fand in Sarajevo das dreitägige Einführungsseminar für die neuen Studierenden des Begleitstudiums im deutschen Recht statt. Das Begleitstudium bietet die IRZ gemeinsam mit der juristischen Fakultät in Sarajevo an. Thema des Seminars, das wie alle Veranstaltungen im Rahmen dieses Begleitstudiums in deutscher Sprache durchgeführt wurde, war eine Einführung in die deutsche Geschichte und Kultur, die dem besseren Verständnis der nachfolgenden juristischen Veranstaltungen, insbesondere bezüglich des Staatsaufbaus in Deutschland, diente.

Das Besondere an der diesjährigen Veranstaltung war, dass auch sechs deutschsprachige Studierende der juristischen Fakultät in Belgrad teilnahmen. Die Beteiligung der serbischen Studierenden ist das Resultat freundschaftlicher Kontakte während der diesjährigen IRZ-Sommerschule zum deutschen Recht in Brühl.

Inhaltlich spannte die Veranstaltung einen weiten Bogen. Behandelt wurden die geschichtlichen Voraussetzungen des deutschen Föderalismus ebenso wie der Nationalsozialismus und seine Aufarbeitung. Weitere Themen waren der Einfluss von Luthers Bibelübersetzung auf die deutsche Sprache, die karolingische Renaissance, Goethes "Faust" und Lessings" Nathan der Weise", mit dem aktuelle Bezüge zu Bosnien und Herzegowina mit seinen drei Volksgruppen hergestellt werden konnten, die sich auch in religiöser Hinsicht unterscheiden.

Abgerundet wurde dies alles durch Einblicke in die moderne Alltagskultur, wobei das Sandmännchen und die Augsburger Puppenkiste ebenso angesprochen wurden wie beispielsweise Texte von Udo Lindenberg. Möglich war die Behandlung einer solch großen Palette von Themen durch den Einsatz audiovisueller Lernmittel. Außerdem gab es umfangreiche Hinweise zu weiteren, über das Internet leicht erreichbare Quellen dieser Art.

Dass das Konzept der Veranstaltung adressatengerecht war, zeigte auch die Evaluation, bei der sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teils umfangreich äußerten. Einer von ihnen stellte z.B. dabei fest, dass es „nicht genügend (ist), nur die Sprache und das Rechtssystem eines Landes zu lernen. Einen umfangreichen Blick bekommt man erst nach dem Einblick in den ganzen Lebensstil eines Landes“. Er schloss mit den Worten, dass er „jetzt großen Enthusiasmus habe, allein weiter(es) über Deutschland zu entdecken“.

Aufbauend auf diese ersten positiven Erfahrungen wird die IRZ zukünftig regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen für die Studierenden der juristischen Fakultäten Sarajevos und Belgrads organisieren.

Bosnien und Herzegowina: Bibliotheken als wichtige Schnittstellen der rechtlichen Zusammenarbeit

Die Referentinnen der Tagung auf dem PodiumDie Referentinnen der Tagung auf dem Podium

Die Orientierung am deutschen Recht bei der Gesetzgebung und die Nutzung deutschen Rechts bei der Rechtsanwendung setzt einen möglichst breiten Zugang zum deutschen Recht voraus Diese Erkenntnis veranlasste die IRZ, ihre bisherige Zusammenarbeit mit der "Gesellschaft der Bibliothekare der juristischen und artverwandten Bibliotheken Südosteuropas" am 15. und 16. September 2016 mit einer Tagung unter dem Titel "Der Einfluss der deutschen Rechtstradition auf die juristischen Bibliotheken und die Bibliotheksbestände" fortzusetzen. Weiteres Thema war der Erfahrungsaustausch bei der Vernetzung der Bibliotheken. Mitorganisatoren waren die Universität im Westteil von Mostar sowie die nach dem verstorbenen Bibliothekswissenschaftler Kemal Bakaršić aus Sarajevo benannte Stiftung.

Die Organisatoren wurden vertreten von:

  • Prof. Dr. Vesna Kazazic, Dekanin der Juristischen Fakultät,
  • Edita Bačić, Präsidentin der Bibliothekarsvereinigung,
  • Violetta Bottazzo, Generalsekretärin der Bibliothekarsvereinigung,
  • Dragan Marković, Kemal-Bakaršić-Stiftung
  • Dr. Stefan Pürner, Projektbereichsleiter der IRZ.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung kamen aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien und Slowenien.

Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle der juristischen Bibliotheken in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung. Die diesbezügliche intensive Diskussion wurde durch ein Impulsreferat des ehemaligen Direktors der Bibliothek des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg, Prof. Dr. Holger Knudsen, angeregt. Dieser wies unter anderem darauf hin, dass der leichtere Zugang zu Literatur über das Internet auch die Rolle der Bibliotheken und ihres Fachpersonals erheblich verändert.

Bei der Veranstaltung wurde mit dem Ziel des Austausches und der Ergänzung der jeweiligen Bestände auch eine eindrucksvolle Bestandsaufnahme deutscher juristischer Literatur in den Bibliotheken der beteiligten Länder vorgenommen. Außerdem wurde deutlich, dass die Bibliotheken in Südosteuropa nicht nur deutsche juristische Datenbanken nutzen, sondern diese Nutzung auch evaluieren.

Im Rahmen der fachkundigen Referate kamen auch zahlreiche interessante, aber weithin unbekannte historische Details zur Sprache. So geht der große Bestand historischer deutscher Rechtsliteratur in Serbien u.a. darauf zurück, dass das Deutsche Reich einen Teil der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg in juristischer Literatur beglich. Daran bestand ein erhebliches Interesse, da sich Serbien bereits früher am deutschen Recht orientiert hatte. Unter anderem finanzierte die serbische Regierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Forschungsaufenthalte von Nachwuchswissenschaftlern in Deutschland, die dort auch in deutscher Sprache zum deutschen Recht promovierten.

Ausführlich gewürdigt wurde bei der Veranstaltung auch das Engagement der IRZ im Bereich juristischer Publikationen und Bibliotheken, beispielsweise der IRZ-Bibliothek des deutschen Rechts an der Juristischen Fakultät der Universität in Sarajevo.

Über die Veranstaltung berichteten verschiedene Medien, darunter auch die Nachrichtensendung des Fernsehens der Föderation Bosnien und Herzegowina: U Mostaru otvorena konferencija bibliotekara iz regije.