Einführungsseminar deutsches Recht für bosnisch-herzegowinische und serbische Studierende in Sarajewo

  • Angeregte Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

    Angeregte Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

  • In entspannter Atmosphäre

    In entspannter Atmosphäre

Vom 15. bis 17. Juli fand in Sarajevo das dreitägige Einführungsseminar für die neuen Studierenden des Begleitstudiums im deutschen Recht statt. Das Begleitstudium bietet die IRZ gemeinsam mit der juristischen Fakultät in Sarajevo an. Thema des Seminars, das wie alle Veranstaltungen im Rahmen dieses Begleitstudiums in deutscher Sprache durchgeführt wurde, war eine Einführung in die deutsche Geschichte und Kultur, die dem besseren Verständnis der nachfolgenden juristischen Veranstaltungen, insbesondere bezüglich des Staatsaufbaus in Deutschland, diente.

Das Besondere an der diesjährigen Veranstaltung war, dass auch sechs deutschsprachige Studierende der juristischen Fakultät in Belgrad teilnahmen. Die Beteiligung der serbischen Studierenden ist das Resultat freundschaftlicher Kontakte während der diesjährigen IRZ-Sommerschule zum deutschen Recht in Brühl.

Inhaltlich spannte die Veranstaltung einen weiten Bogen. Behandelt wurden die geschichtlichen Voraussetzungen des deutschen Föderalismus ebenso wie der Nationalsozialismus und seine Aufarbeitung. Weitere Themen waren der Einfluss von Luthers Bibelübersetzung auf die deutsche Sprache, die karolingische Renaissance, Goethes "Faust" und Lessings" Nathan der Weise", mit dem aktuelle Bezüge zu Bosnien und Herzegowina mit seinen drei Volksgruppen hergestellt werden konnten, die sich auch in religiöser Hinsicht unterscheiden.

Abgerundet wurde dies alles durch Einblicke in die moderne Alltagskultur, wobei das Sandmännchen und die Augsburger Puppenkiste ebenso angesprochen wurden wie beispielsweise Texte von Udo Lindenberg. Möglich war die Behandlung einer solch großen Palette von Themen durch den Einsatz audiovisueller Lernmittel. Außerdem gab es umfangreiche Hinweise zu weiteren, über das Internet leicht erreichbare Quellen dieser Art.

Dass das Konzept der Veranstaltung adressatengerecht war, zeigte auch die Evaluation, bei der sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teils umfangreich äußerten. Einer von ihnen stellte z.B. dabei fest, dass es „nicht genügend (ist), nur die Sprache und das Rechtssystem eines Landes zu lernen. Einen umfangreichen Blick bekommt man erst nach dem Einblick in den ganzen Lebensstil eines Landes“. Er schloss mit den Worten, dass er „jetzt großen Enthusiasmus habe, allein weiter(es) über Deutschland zu entdecken“.

Aufbauend auf diese ersten positiven Erfahrungen wird die IRZ zukünftig regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen für die Studierenden der juristischen Fakultäten Sarajevos und Belgrads organisieren.

Bosnien und Herzegowina: Bibliotheken als wichtige Schnittstellen der rechtlichen Zusammenarbeit

Die Referentinnen der Tagung auf dem PodiumDie Referentinnen der Tagung auf dem Podium

Die Orientierung am deutschen Recht bei der Gesetzgebung und die Nutzung deutschen Rechts bei der Rechtsanwendung setzt einen möglichst breiten Zugang zum deutschen Recht voraus Diese Erkenntnis veranlasste die IRZ, ihre bisherige Zusammenarbeit mit der "Gesellschaft der Bibliothekare der juristischen und artverwandten Bibliotheken Südosteuropas" am 15. und 16. September 2016 mit einer Tagung unter dem Titel "Der Einfluss der deutschen Rechtstradition auf die juristischen Bibliotheken und die Bibliotheksbestände" fortzusetzen. Weiteres Thema war der Erfahrungsaustausch bei der Vernetzung der Bibliotheken. Mitorganisatoren waren die Universität im Westteil von Mostar sowie die nach dem verstorbenen Bibliothekswissenschaftler Kemal Bakaršić aus Sarajevo benannte Stiftung.

Die Organisatoren wurden vertreten von:

  • Prof. Dr. Vesna Kazazic, Dekanin der Juristischen Fakultät,
  • Edita Bačić, Präsidentin der Bibliothekarsvereinigung,
  • Violetta Bottazzo, Generalsekretärin der Bibliothekarsvereinigung,
  • Dragan Marković, Kemal-Bakaršić-Stiftung
  • Dr. Stefan Pürner, Projektbereichsleiter der IRZ.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung kamen aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien und Slowenien.

Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle der juristischen Bibliotheken in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung. Die diesbezügliche intensive Diskussion wurde durch ein Impulsreferat des ehemaligen Direktors der Bibliothek des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg, Prof. Dr. Holger Knudsen, angeregt. Dieser wies unter anderem darauf hin, dass der leichtere Zugang zu Literatur über das Internet auch die Rolle der Bibliotheken und ihres Fachpersonals erheblich verändert.

Bei der Veranstaltung wurde mit dem Ziel des Austausches und der Ergänzung der jeweiligen Bestände auch eine eindrucksvolle Bestandsaufnahme deutscher juristischer Literatur in den Bibliotheken der beteiligten Länder vorgenommen. Außerdem wurde deutlich, dass die Bibliotheken in Südosteuropa nicht nur deutsche juristische Datenbanken nutzen, sondern diese Nutzung auch evaluieren.

Im Rahmen der fachkundigen Referate kamen auch zahlreiche interessante, aber weithin unbekannte historische Details zur Sprache. So geht der große Bestand historischer deutscher Rechtsliteratur in Serbien u.a. darauf zurück, dass das Deutsche Reich einen Teil der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg in juristischer Literatur beglich. Daran bestand ein erhebliches Interesse, da sich Serbien bereits früher am deutschen Recht orientiert hatte. Unter anderem finanzierte die serbische Regierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Forschungsaufenthalte von Nachwuchswissenschaftlern in Deutschland, die dort auch in deutscher Sprache zum deutschen Recht promovierten.

Ausführlich gewürdigt wurde bei der Veranstaltung auch das Engagement der IRZ im Bereich juristischer Publikationen und Bibliotheken, beispielsweise der IRZ-Bibliothek des deutschen Rechts an der Juristischen Fakultät der Universität in Sarajevo.

Über die Veranstaltung berichteten verschiedene Medien, darunter auch die Nachrichtensendung des Fernsehens der Föderation Bosnien und Herzegowina: U Mostaru otvorena konferencija bibliotekara iz regije.

IRZ-Publikation NPR - „eine Zeitschrift, die Südosteuropa verbindet“

Die IRZ gibt mit Mitteln des Auswärtigen Amtes zum Stabilitätspakt für Südosteuropa bereits im siebten Jahr zusammen mit der Deutsch-bosnisch-herzegowinischen Juristenvereinigung e.V. (DBHJV) und der Gesellschaft zur Erforschung des deutschen Rechts und seiner Rezeption mit Sitz in Serbien in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens die „Neue juristische Umschau: Zeitschrift für regionales, deutsches und europäisches Recht“ (Nova pravna revija: časopis za domaće, njemačko i evropsko pravo, kurz NPR) heraus.

Aus Anlass der letztjährigen Ausgabe erschien nun in der angesehenen serbischen juristischen Fachzeitschrift „Pravni Zapisi“ eine umfangreiche und sehr positive Besprechung durch Slobodan Vukadinović. Dem international zusammengesetzten Herausgeberrat der Zeitschrift gehört u.a der serbische Richter beim Straßburger EGMR, Dragoljub Popović, an (weitere Informationen zur Zeitschrift). Eine vollständige deutsche Arbeitsübersetzung des Zeitschriftenbeitrags findet sich im Downloadbereich: Neue juristische Umschau - Jubiläumsausgabe einer Zeitschrift, die verbindet.

Diese Besprechung bestätigt, dass es mit der NPR gelungen ist, über mehr als ein halbes Jahrzehnt hinweg eine angesehene wissenschaftliche Zeitschrift zu etablieren, die auch für Praktikerinnen und Praktiker von hohem Nutzen ist und die ein Medium der dauerhaften regionalen Zusammenarbeit, insbesondere auch unter Einschluss des juristischen Nachwuchses, darstellt .

Der Autor Slobodan Vukadinović hebt in seiner Besprechung hervor,

  • die NPR sei „eine Zeitschrift, die verbindet“ und die „in kurzer Zeit in wissenschaftlichen Kreisen in mehreren Ländern bekannt geworden ist und sich verdientermaßen ... Ansehen erworben hat“.
  • Besonders betont er, dass die NPR „eine juristische Brücke für den Dialog und den Erfahrungsaustausch zwischen den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens sowie zwischen den Ländern der Region auf der einen und Deutschland auf der anderen Seite“ ist.
  • Abschließend kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass auch inhaltlich „die Anforderungen...nicht nur erfüllt, sondern im Vergleich zu den üblichen Standards sogar übertroffen“ werden.

Die NPR ist nur eine von mehreren Publikationen, die vom Projektbereich für Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro sowie Serbien der IRZ herausgegeben oder mitherausgegeben werden. Neben Buchveröffentlichungen wie kürzlich eine Übersetzung des deutschen GmbHG ist auch die seit Jahren erscheinende Zeitschrift „Evropsko Pravo“ (Europarecht) in Mazedonien zu nennen.

Alle diese Publikationen werden von der IRZ, aber auch von verschiedenen Projektpartnern, im Internet zum Download angeboten: