Studierende aus Südosteuropa diskutieren über deutsches Recht

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Eingang zur Juristischen Fakultät in Zenica

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Eingang zur Juristischen Fakultät in Zenica

Vom 8. bis 10. September fand an der Juristischen Fakultät der bosnischen Industriestadt Zenica das dritte regionale Blockseminar „Einführung in das deutsche Recht in lokaler Sprache“ für Studierende aus Kragujevac (Serbien), Skopje (Mazedonien) sowie Zenica (Bosnien und Herzegowina) statt.

Referenten der Veranstaltung waren Prof. Dr. Zlatan Meškić, Zenica, Prof Dr. Slavko Djordjević, Kragujevac, Doz. Dr. Aleksandar Spasov, Skopje, und Dr. Stefan Pürner von der IRZ. Die Grußworte der Fakultät sprach Dekan Dr. Enes Bikić. Mit allen drei beteiligten südosteuropäische Fakultäten und Dozenten pflegt die IRZ seit Jahren eine intensive Zusammenarbeit.

Themen des Seminars waren:

  • Die Juristenausbildung in Deutschland
  • Die Besonderheiten des BGB
  • Der Einfluss des Europarechts auf das nationale Recht
  • Das nationalsozialistische Unrecht und dessen Aufarbeitung

Bei der Diskussion zum letztgenannten Thema sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Referentinnen und Referenten auch über die bislang weitgehend unterbliebene Aufarbeitung der autoritären Systeme auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens sowie über die Konflikte beim Zerfall dieses Staates. Erfreulich ist, dass diese Diskussion trotz der gemischtnationalen Zusammensetzung des Seminars sachlich und im gegenseitigen Respekt verlief, was in der Region leider nicht die Regel ist.

Die Veranstaltung leistete deshalb nicht nur einen Beitrag zur Stärkung des deutschen Rechts als Orientierungsrecht bei der Rechtstransformation, sondern trug auch zur Normalisierung der fachlichen Diskussion bei. Das Seminar war eine gute Gelegenheit zur Kontaktpflege für junge Juristinnen und Juristen aus der Region.

Neue Ausgabe der Zeitschrift NPR mit Schwerpunktthema „Öffentliches Recht“

Neue Ausgabe der Zeitschrift NPR mit Schwerpunktthema „Öffentliches Recht“

Soeben erschien die Ausgabe 1/ 2017 der Zeitschrift „Nova pravna revija – časopis za domaće, njemačko i evropsko pravo“ (Neue Juristische Umschau - Zeitschrift für regionales, deutsches und europäisches Recht; kurz NPR) in einer Volltextversion und einer deutschen Kurzausgabe. Diese Zeitschrift wird von der IRZ bereits im achten Jahr gemeinsam mit der Deutsch-bosnisch-herzegowinischen Juristenvereinigung (DBHJV) und der Vereinigung für die Erforschung des deutschen Rechts und seine Rezeption mit Sitz in Serbien herausgegeben.

Die aktuelle Ausgabe behandelt das Schwerpunktthema „Öffentliches Recht“. Im Mittelpunkt steht dabei der erste Teil eines umfangreichen rechtsvergleichenden Beitrags über das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren in den Staaten Bosnien und Herzegowina, Montenegro sowie Serbien.

Weitere Aufsätze zu anderen Rechtsgebieten behandeln das Sachen- und Hypothekenrecht in Bosnien und Herzegowina sowie Rechtsfragen der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft in Serbien. Darüber hinaus werden aktuelle Urteile des BGH und wichtige Aspekte der europäischen Rechtsentwicklung dargestellt. Bezüglich des Europarechts reicht die Spanne der Themen in der aktuellen Ausgabe vom Asylrecht und dem Datenschutzrecht über die Grundrechtecharta bis hin zum Wettbewerbsrecht, zum CETA-Abkommen und zur Terrorismusbekämpfung.

In der Rubrik „Vorschriften und Materialien“, in der interessante Rechtstexte übersetzt und einleitend kommentiert werden, wird dieses Mal das deutsche Anti-Doping-Gesetz vorgestellt. Ein umfangreicher Teil mit verschiedenen Buchbesprechungen und Veranstaltungsberichten schließt die Ausgabe ab.

Der Originalausgaben der NPR sind auf der Website der IRZ und bei verschiedenen Projektpartnern wie dem Hohen Justizrat von Bosnien und Herzegowina und dem südosteuropäischen Juristennetzwerk Harmonius als Download erhältlich. Außerdem gibt es im Downloadbereich dieser Website jeweils deutsche Kurzausgaben der Zeitschrift, so dass sich Interessierte auch ohne einschlägige Sprachkenntnisse ein Bild von der Entwicklung der Zeitschrift machen können.

Erstellt wird die NPR von einem bosnisch-herzegowinischen-deutsch-serbischen Redaktionsteam. Die Zeitschrift besitzt einen mit angesehenen Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftlern aus verschiedenen Staaten besetzten Herausgeberrat. Deutsche Mitglieder sind Professor Dr. Dres. h.c. Friedrich-Christian Schroeder, Regensburg, und Prof. Dr. Heinz-Peter Mansel, Köln, der auch Mitherausgeber und Schriftleiter der Zeitschrift IPRax - Praxis des Internationalen Privat- und Verfahrensrechts ist.

Außer Originalbeiträgen südosteuropäischer Autorinnen und Autoren veröffentlicht die NPR auch Arbeiten ausländischer Autorinnen und Autoren in Übersetzung, die schon in andere Sprachen in angesehenen deutschen Fachzeitschriften wie

•    der Europäische Grundrechtszeitschrift (EuGRZ)
•    dem Jahrbuch für Ostrecht (JOR) und 
•    der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) sowie
•    der Zeitschrift für Wirtschaft und Recht in Osteuropa (WiRO) (siehe auch ausgewählte Beiträge der WiRO im Download-Bereich dieser Website)

erschienen sind.

Auf diese Weise wird es südosteuropäischen Leserinnen und Lesern ermöglicht, auch ohne einschlägige Sprachkenntnisse Einblick in die Vielfalt der juristischen Publikationen in Deutschland zu nehmen.

Nähere Informationen zur Zeitschrift finden sich auch in Wikipedia.

Ein halbes Jahrzehnt internationale „Tage des Familienrechts“ in Mostar

  • Ausschnitt aus der Diskussion: Prof. Dr. Suzana Bubić (Mitte)

    Ausschnitt aus der Diskussion: Prof. Dr. Suzana Bubić (Mitte)

  • Blick ins Publikum

    Blick ins Publikum

Am 31. März und am 1. April 2017 fand in Mostar die 5. internationale Konferenz „Tage des Familienrechts" statt. Veranstaltet wurde sie von der Juristischen Fakultät der Universität Džemal Bijedić und der IRZ. Thema war diesmal der Einfluss der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte auf die nationalen Familienrechte.

Auf der Konferenz wurden folgende Themen erörtert:

  • Rechtsverhältnisse von Verwandten,
  • Rechtsfragen der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft,
  • Rechtsfragen bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs,
  • häusliche Gewalt,
  • Rechtsstatus transsexueller Personen,
  • Einfluss der Rechtsprechung des EGMR auf die nationalen Gesetzgebungen in der Region.

Zu den Referenten gehörten Fachleute aus verschiedenen staatlichen Fakultäten Bosnien und Herzegowinas sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fakultäten Kragujevac, Belgrad und Novi Sad in Serbien sowie Rijeka und Zagreb in Kroatien.

Die praktische Relevanz der behandelten Themen wurde nicht zuletzt dadurch ersichtlich, dass an der Veranstaltung, außer Universitätsangehörigen, auch Amtsrichterinnen und Amtsrichter sowie juristische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zentren für Sozialfürsorge teilnahmen. Diesbezüglich hob Prof. Dr. Suzana Bubić in ihren einführenden Worten hervor, dass diese Zusammenarbeit zwischen der akademischen Gemeinschaft und den Praktikern bereits seit einem halben Jahrzehnt besteht.

Wie viele andere Veranstaltungen, an denen die IRZ beteiligt ist, werden die Ergebnisse dieser Konferenz später in einem Tagungsband publiziert und dadurch auch der weiteren Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.