Train-the-Trainer-Seminare schließen bilaterale Zusammenarbeit mit Bulgarien ab

Während der Abschlussveranstaltung: Ulrike Schultz, Akademische Oberrätin an der Fernuniversität Hagen a.D.; Frank Hupfeld, IRZ; Boyan Magdalinchev, Oberster Justizrat Bulgariens; Kremena Ehrmann, Beraterin der IRZ für die Zusammenarbeit mit Bulgarien (v.l.n.r.)
Während der Abschlussveranstaltung: Ulrike Schultz, Akademische Oberrätin an der Fernuniversität Hagen a.D.; Frank Hupfeld, IRZ; Boyan Magdalinchev, Oberster Justizrat Bulgariens; Kremena Ehrmann, Beraterin der IRZ für die Zusammenarbeit mit Bulgarien (v.l.n.r.)
Bulgarien

Am 21. und 22. November 2019 fanden als Abschluss der bilateralen Zusammenarbeit der IRZ mit Bulgarien zwei themengleiche eintägige Train-the-Trainer-Seminare zum Thema Rechtskundeunterricht in Sofia statt. Diese Seminare organisierte die IRZ in Kooperation mit dem Obersten Justizrat am Nationalinstitut für Justiz. Die Veranstaltungen richteten sich an je vierzig Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die Rechtskunde an bulgarischen Schulen unterrichten. Für die IRZ nahm Ulrike Schultz, Akademische Oberrätin an der Fernuniversität Hagen a.D., als Expertin teil.

Im Mittelpunkt des Seminars stand neben der Vermittlung von Best-Practice-Methoden aus dem deutschen Rechtskundeunterricht der Erfahrungsaustausch zwischen der deutschen Expertin und den bulgarischen Lehrenden.

Bis heute wurden in Bulgarien bereits 15.000 Schülerinnen und Schüler an 140 Schulen im Fach Rechtskunde unterrichtet. Das bulgarische Programm, das dem deutschen Rechtskundeunterricht ähnelt, ist beim Obersten Justizrat angesiedelt ist und wurde mittlerweile sogar vom Europarat ausgezeichnet.

Die jetzige Veranstaltung mit dem Obersten Justizrat markiert zugleich das Ende der bilateralen Zusammenarbeit der IRZ mit Bulgarien. Sie wird zukünftig im Rahmen von EU-Projekten fortgesetzt werden, in denen die IRZ mit Bulgarien zusammenarbeitet und z.B. Partnerstaaten der IRZ bei der EU-Annäherung berät und unterstützt.

Wir bedanken uns beim Obersten Justizrat Bulgariens und bei Ulrike Schultz für die gute Zusammenarbeit!

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe "Unterricht in Demokratie und Recht"

Eine nachhaltige Investition in die künftige Generation der Zivilgesellschaft

Fünf Jahre lang führte die IRZ die Veranstaltungsreihe "Unterricht in Demokratie und Recht" für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der deutschsprachigen Gymnasien in Bulgarien durch.

Bis Ende 2017 engagierte sich die IRZ in ausgewählten bulgarischen Schulen im Bereich der rechtlichen und politischen Bildung von Jugendlichen. Das Projekt "Unterricht in Demokratie und Recht" wurde im Rahmen der Zusammenarbeit mit der damaligen Vizepräsidentin der Republik Bulgarien (2012-2017), Margarita Popova, initiiert. Im Frühjahr 2013 konnte die erste Schule teilnehmen.

Ziel der Veranstaltungsreihe war die Förderung einer starken und mutigen Zivilgesellschaft, in der Individuen eine politische Meinung haben und Verantwortung für ihr Handeln in der Gesellschaft und im Staat übernehmen.

Die Kurse fanden in deutscher Sprache statt. Das Programm des Kurses basierte auf dem Rechtskundeunterricht des Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen und wurde an die bulgarischen Gegebenheiten angepasst.

Wichtige Themen im Unterricht waren:

  • die Grundlagen des Rechts und dessen Entstehung,
  • die Staatsorganisation und die Möglichkeit des Einzelnen, an der Willensbildung im Staat zu partizipieren,
  • das Wesen der Demokratie und deren Verankerung in der Verfassung,
  • das Gesetzgebungsverfahren,
  • die Grund- und Menschenrechte,
  • Kinderrechte und Jugendschutz sowie
  • die Europäische Union und das Europarecht.

Diskutiert wurde über das staatliche Machtmonopol und über die Rolle der Gerichte. In Arbeitsgruppen und mithilfe von Rollenspielen entwarfen die Schülerinnen und Schüler selbst Gesetze und versuchten, mit ihren Argumenten zu überzeugen.

Ziel der Kurse war es überdies, ein grundlegendes Verständnis dafür zu schaffen, wie Demokratie als Staatsform funktioniert und wie Teilhabe an demokratischen Prozessen möglich ist. Mancherorts beteiligten sich die regionalen Gerichte, indem sie die Schülerinnen und Schüler während oder nach dem Kurs zu einer Gerichtsverhandlung und zu Gesprächen einluden.

Durch das Projekt konnten innerhalb von fünf Jahren an insgesamt zwölf Schulen dreizehn einwöchige Kurse durchgeführt werden. Die Schulen waren fremd- oder deutschsprachige Gymnasien in:

  • Lovech und Blagoevgrad (2013),
  • Sofia (2014),
  • Pazardzhik und Razgrad (2015),
  • Kardzhali, Burgas, Haskovo und Smoljan (2016) und
  • Ruse, Montana, Pernik und noch einmal Blagoevgrad (2017).

Insgesamt konnten etwa tausend Schülerinnen und Schüler im Alter von sechszehn bis achtzehn Jahren am Unterricht teilnehmen.

Die Reaktionen waren während der gesamten Projektlaufzeit sehr positiv. Nach Abschluss der ersten Veranstaltungen bewarben sich immer mehr Schulen für die Teilnahme an dem Programm.

Maßgeblich für den Erfolg war zweifellos auch die Arbeit der Referentin Ulrike Schultz, Akademische Oberrätin a.D., Fernuniversität in Hagen, die das Programm jeweils flexibel an den Kenntnis- bzw. Erfahrungsstand der Schülerinnen und Schüler sowie an die aktuellen Entwicklungen in Bulgarien anpasste.

Zum neunten Mal Rechts- und Demokratieunterricht an deutschsprachigen Gymnasien in Bulgarien

Eröffnung in Smoljan: Margarita Popova, Vizepräsidentin der Republik Bulgarien; Nadezhda Goranova, Rektorin des Gymnasiums; Referentin Ulrike Schultz; Kremena Ehrmann, Beraterin der IRZ für die Zusammenarbeit mit Bulgarien (v.r.n.l.)Eröffnung in Smoljan: Margarita Popova, Vizepräsidentin der Republik Bulgarien; Nadezhda Goranova, Rektorin des Gymnasiums; Referentin Ulrike Schultz; Kremena Ehrmann, Beraterin der IRZ für die Zusammenarbeit mit Bulgarien (v.r.n.l.)

Die Vizepräsidentin der Republik Bulgarien, Margarita Popova, eröffnete am 10. Oktober 2016 in der bulgarischen Stadt Smoljan die neunte Veranstaltung aus der Reihe „Demokratie und Recht“, die von der IRZ in Zusammenarbeit mit dem Präsidialamt organisiert wird. Vor den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Gästen sprach Margarita Popova über die Demokratie als Lebensweise und betonte, wie wichtig es ist, Brücken zwischen den Ländern und den einzelnen Menschen zu errichten. Sie würdigte das nachhaltige Engagement der IRZ in diesem Projekt und die langjährige Arbeit mit Institutionen in Bulgarien.

Seit 2013 führt die IRZ den Kurs für die Oberstufe der deutschsprachigen Gymnasien durch. Die Schule in Smoljan profitierte nach den Gymnasien in Lovech, Blagoevgrad, Sofia, Pazardzhik, Razgrad, Kardzhali, Burgas und Haskovo mit etwa 70 Schülerinnen und Schüler von der Veranstaltung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden mit den Grundprinzipien der Demokratie, der Staatsorganisation und des Rechts vertraut gemacht. Ziele des viertägigen Unterrichts sind die Sensibilisierung der jungen Menschen für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und dadurch die Unterstützung einer stark motivierten zukünftigen Bürgergesellschaft.

Das Programm basiert auf dem Rechtskundeunterricht des Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen und wurde speziell für die bulgarischen Gegebenheiten angepasst. Die Referentin, Ulrike Schultz, war bis vor kurzem akademische Oberrätin am Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht sowie Völkerrecht der Fernuniversität in Hagen und ist maßgeblich an die Entwicklung des Rechtskundeunterrichts in NRW beteiligt.

Schulen aus ganz Bulgarien bekunden ihr Interesse für den Kurs beim Präsidialamt. Für die Fortführung des Projekts im nächsten Jahr werden zwei bis drei weitere Gymnasien ausgewählt.