Die georgischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen

Die georgischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen

Obersatz, Definition, Subsumtion, Ergebnis – seit Jahrzehnten wird die Anwendung dieses sog. Gutachtenstils von jedem deutschen Jurastudenten ab den ersten Semestern in den Klausuren erwartet. An georgischen Universitäten ist eine einheitliche Methodik zur Lösung juristischer Sachverhalte nicht vorgeschrieben und damit auch für die meisten Praktiker noch Neuland. Die noch junge Gesetzgebung im Zivil-, Straf-, und Verwaltungsrecht in Georgien orientiert sich an der deutschen Rechtssystematik, welche in Deutschland von einer breiten wissenschaftlichen Diskussion und historisch gewachsenen Auslegungsmethoden geprägt ist. In Georgien beginnt sich beides gerade zu entwickeln.

Bereits seit 2011 haben in Zusammenarbeit mit der Georgian Young Lawyers'Association (GYLA), der GIZ in Tiflis und der IRZ georgische und deutsche Juristen aus Wissenschaft und Praxis an einer Methodenlehre für Georgien gearbeitet und ihre Ergebnisse in einem Skript zu jedem Rechtsgebiet zusammengefasst. Diese Vorarbeit galt als Grundlage zur Durchführung einer Trainingswoche vom 08. bis zum 12. September 2013 in Tiflis. Dort wurde den in der Theorie erarbeiteten Grundlagen in der Falllösungstechnik ordentlich Leben eingehaucht.

Von deutscher Seite standen den georgischen TeilnehmerInnen für das Zivilrecht das Trainer-Duo Herr Dr. Rainer Deville, Richter am OLG Düsseldorf, und Herr Stefan Koroch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bonn, mit Hilfestellungen und Fallbeispielen zur Seite. Die parallel laufenden Trainings im Verwaltungsrecht und Strafrecht leiteten Herr Gerrit Hellmuth Stumpf, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bonn und Herr Dr. Martin Piazena, Programmkoordinator und Dozent an der Staatlichen Ivane Javakhishvili Universität Tiflis.

An den als Pilotprojekt geplanten Trainings nahmen jeweils bis zu fünf georgische ProfessorInnen und RichterInnen teil, welche durch Ihr enormes Engagement und Interesse an der Falllösungsmethode das Projekt zu einem vollen Erfolg gemacht haben. Unermüdlich erarbeiteten sie sich in den Kleingruppen die Lösungen nach georgischem Recht - immer im Schema der Falllösungsmethode und mit Unterstützung der deutschen Experten. Dabei war deutlich das gemeinsame Anliegen zu spüren, den Gutachtenstil nicht nur selbst zu verinnerlichen, sondern auch von den Erfahrungen der Trainer bei der Vermittlung der Methodik an Studenten zu lernen. So wurden Falllösungen simuliert und verschiedene Arten der Bewertung von Klausuren diskutiert.

Die Anwendung des Gutachtenstils ist in den Lehrplänen der Georgischen Universitäten noch lange nicht vorgeschrieben. Durch das große Interesse der georgischen Lehrenden bei diesem Training lässt sich jedoch absehen, dass eine Gruppe heranwächst, die von dieser Lehre überzeugt ist und sie gegenüber der nächsten Generation vertreten möchte. Daher spricht viel dafür, das Projekt als Erfolg zu verzeichnen und fortzuführen. Denn, wie die deutschen Juristen am besten wissen, kann der Gutachtenstil nur durch die ständige Wiederholung auch zur Selbstverständlichkeit in Georgien werden.