Jordanische Delegation in der JVA Plötzensee
Jordanische Delegation in der JVA Plötzensee
Jordanien

Im Rahmen einer Studienreise nach Berlin vom 22. bis 26. Oktober 2018 tauschten sich die Mitglieder einer jordanischen Delegation mit deutschen Expertinnen und Experten über das Thema „Klassifizierung, Vollzugsplan und Einbindung externer Akteure als Grundlagen für eine erfolgreiche Resozialisierung von Haftentlassenen“ aus. Dieser Besuch einer Leiterin sowie Leitern und stellvertretenden Leitern von jordanischen Justizvollzugsanstalten bot praxisnahe Erfahrungen und ergänzte das themengleiche Seminar im September dieses Jahres in Amman.

Der erste Besuch fand in der JVA für Frauen in Berlin statt. Hier stellten die Sozialdienstkoordinatorinnen Carola Trömel und ihre Kollegin Sandra Rodrigues Silva neben generellen Informationen über die JVA und neben Besonderheiten des Frauenvollzugs auch Projekte in Kooperation mit externen Trägern vor. Dabei gingen sie besonders auf das Projekt „startklar“ ein, das Beratungs- und Bildungsangebote zur beruflichen Orientierung und sozialen Reintegration junger Frauen anbietet.
Im Anschluss besuchten die jordanischen Gäste die JVA Plötzensee, deren Anstaltsleiter Dr. Uwe Meyer-Odewald die Delegation begrüßte. Es folgte ein Fachgespräch mit Psychologin Andree und Sozialarbeiter Schulz. Sie erläuterten das Prozedere zur Erstellung eines Vollzugsplans und stellten verschiedene Resozialisierungsmaßnahmen vor.

An den darauffolgenden Arbeitstagen war neben der JVA des Offenen Vollzugs in Berlin, wo Anstaltsleiter Thorsten Luxa das Konzept des offenen Vollzugs vorstellte, die Nichtregierungsorganisation Violence Prevention Network e.V. eine weitere Station des Studienbesuchs. Dort informierten sich die jordanischen Gäste über die Strukturen der Zusammenarbeit zwischen freien Trägern und Justizvollzugsanstalten sowie über Maßnahmen zum Umgang mit radikalisierten Häftlingen.

Durch die dreitägige Studienreise erhielten die Teilnehmerin und die Teilnehmer der Delegation Einblicke in das facettenreiche deutsche Strafvollzugssystem und dessen Kooperationen mit externen Akteuren. Durch die angeregten Diskussionen und Nachfragen bei den deutschen Partnern wurde das große Interesse der jordanischen Gäste am Thema deutlich. Auch wenn sie anmerkten, dass aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen nicht alle Maßnahmen in Jordanien umgesetzt werden können, nahmen sie die deutschen Konzepte dennoch mit großem Interesse auf. Die Studienreise schuf im Ergebnis ein stärkeres Bewusstsein für die Wichtigkeit individuell angepasster Vollzugspläne, die im Kontext der lokalen Gegebenheiten bestmöglich umgesetzt werden. Auch die Schlüsselrolle von nichtstaatlichen Akteuren wurde ausführlich diskutiert und Möglichkeiten der Kooperationen zwischen den JVAs und nichtstaatlichen Organisationen in Jordanien wurden exemplarisch durchgesprochen.