Seminar zur Einführung in die Toxikologie in Casablanca

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars mit den beiden Experten Maximilian Methling und André Niebel (sitzend, 1. u. 2.  v.l.)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars mit den beiden Experten Maximilian Methling und André Niebel (sitzend, 1. u. 2. v.l.)
Marokko

Am 7. und 8. November 2018 veranstaltete die IRZ gemeinsam mit der marokkanischen Staatsanwaltschaft in Agadir das Seminar „Einführung in die Toxikologie“. Dieses fand im Rahmen des Projektes „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet der Rechtsmedizin unter besonderer Berücksichtigung der Belange der dortigen Justiz“ statt, das die IRZ im Zeitraum von 2017 bis 2019 im Rahmen der Projektförderung des Auswärtigen Amtes (Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten) umsetzt.

Ziel war es, den anwesenden Staatsanwältinnen und Staatsanwälten sowie Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmedizinern einen Überblick über die Nachweismöglichkeiten unterschiedlicher Giftstoffe zu geben. Referenten des Seminars waren Maximilian Methling und André Niebel, die beide als wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin im Team der Forensischen Toxikologie tätig sind.

Nach einer Einführung in die Begrifflichkeiten und Rechtsgrundlagen der forensischen Toxikologie, gingen die beiden deutschen Experten auf die Systematik toxikologischer Untersuchungen ein. Sie stellten dar, wie sich anhand des Urins, des Blutes, der Haare und Organe bereits einige Aussagen zur möglichen Todesursache durch verschiedene Substanzen treffen lassen. Anhand zahlreicher Fallbeispiele ausgewählter Sterbefälle, konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein konkretes Bild der Bedeutung von toxikologischen Untersuchungen im Bereich der Rechtsmedizin machen.

In Marokko gibt es zurzeit lediglich drei Labore, davon zwei in Rabat und eins in Casablanca, die Proben untersuchen können. Das erschwert die Arbeit der Rechtsmedizin ungemein, da die Proben durch den Transport und die lange Bearbeitungszeit leiden. Umso wichtiger war es, in diesem Seminar aufzuzeigen, wie die Proben am Tatort entnommen werden und welche Stoffe bereits nach kurzer Zeit nicht mehr im Blut nachweisbar sind. Hier kommt der Haaranalytik eine besondere Bedeutung zu. Maximilian Methling und André Niebel gingen daher auch ausführlich auf deren Vor- und Nachteile ein.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr interessiert und nutzen die Diskussionsrunden, um zahlreiche Fragen zu stellen. Es ist ein Bewusstsein dafür entstanden, dass eine gute Rechtsmedizin nicht ohne ortsnahe Labore zur Durchführung toxikologischer Untersuchungen stattfinden kann.
Im Jahr 2019 sollen zwei weitere Seminare zu diesem Thema in Marokko stattfinden.

Seminar „Berufliche, handwerkliche und künstlerische Ausbildung von Inhaftierten“ in Rabat

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars
Marokko

Am 11. und 12. Oktober 2018 veranstaltete die IRZ in Marokkos Hauptstadt Rabat in Kooperation mit der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) das zweite Seminar zum Thema „Berufliche, handwerkliche und künstlerische Ausbildung von Inhaftierten“. Den Rahmen der Veranstaltung bildete das durch das Auswärtige Amt geförderte Projekt zur „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“. Dieses Projekt setzt die IRZ in den Jahren 2017 bis 2019 um. Ziel dieser Komponente ist die Verbesserung der sozialen und psychologischen Betreuung der Inhaftierten, besonders in Hinblick auf akute Konfliktlösungskompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Justizvollzug.

Als Expertinnen unterstützten zwei Mitarbeiterinnen aus dem Berliner Strafvollzug die IRZ bei der Durchführung des Seminars:

  • Katja Adolph, Leiterin Beschäftigung und Qualifizierung der Jugendstrafanstalt Berlin, und
  • Mirjam Drechsel, Leiterin Beschäftigung und Qualifizierung der JVA für Frauen Berlin.
Im Rahmen der Begrüßung würdigte die DGAPR die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der IRZ und stellte eine deutliche Verbesserung der Situation der Inhaftierten fest. Kernziel der Arbeit der DGAPR ist die Senkung der Rückfallquote sowie eine erfolgreiche Resozialisierung der Haftinsassen.

In mehreren Vorträgen von deutscher und marokkanischer Seite wurden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Ausbildung von Inhaftierten in beiden Ländern herausgearbeitet. In den anschließenden Diskussionen fand ein darüber hinausgehender lebhafter Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Unter den im marokkanischen Strafvollzug identifizierten Faktoren mit hohem Einfluss auf die Erfolgsquote der Resozialisierung hat die Berufsausbildung der Haftinsassen mittlerweile Priorität erlangt. Anhand bestimmter Kriterien werden Inhaftierte durch ein Auswahlkomitee zur Berufsausbildung zugelassen. Die Ausbildungsmaßnahmen für Haftinsassen umfassen im marokkanischen Strafvollzug die Schulbildung, Alphabetisierungsanstrengungen, die berufliche und handwerkliche Ausbildung sowie die Hochschulbildung. Hierzu arbeitet die DGAPR mit einer Vielzahl externer Akteure zusammen. 

Während sich Inhaftierte in Marokko zu Ausbildern für andere Haftinsassen weiterbilden können, ist dies in Deutschland aufgrund des hoheitlichen gesetzlichen Auftrages aus dem Strafvollzugsgesetz an die Justizvollzugsanstalten zur Aus- und Weiterbildung der Inhaftierten nicht möglich. Die Verantwortung für die Kontrolle und die Organisation des Strafvollzugs in den Haftanstalten übernimmt in Deutschland der Sozialdienst. Zentrale Akteure sind hierbei die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Im Anschluss an ein erstes Anamnesegespräch bei einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter findet ein durch freie Träger durchgeführtes Kompetenzfeststellungsverfahren statt, dessen Ergebnis ebenfalls in den Vollzugsplan einfließt. Ziel ist die Vermittlung in eine Beschäftigung oder Ausbildung, die dem Bedarf sowie den Kompetenzen der Inhaftierten entspricht. Für die berufliche Aus- und Weiterbildung der Inhaftierten kooperiert der deutsche Strafvollzug mit einer Vielzahl an externen Akteuren, darunter sind die Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, diverse Innungen sowie eine hohe Zahl freier Träger.

Fortbildung von marokkanischen Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmedizinern in Casablanca

Während des Seminars „Einarbeitung und Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmediziner“
Während des Seminars „Einarbeitung und Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmediziner“
Marokko

Vom 9. bis 11. Oktober 2018 veranstaltete die IRZ gemeinsam mit der marokkanischen Staatsanwaltschaft und dem marokkanischen Institut für Rechtsmedizin (SMML) ein Seminar zu den Themen „Grundlagen des Strafrechts und der Strafprozessordnung“ sowie „Einarbeitung und Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmediziner“.

Die Veranstaltung ist Teil eines dreijährigen Projekts, das die IRZ gemeinsam mit dem Institut für Rechtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchführt. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten im Zeitraum von 2017 bis 2019 gefördert. Sein Ziel ist die Förderung einer unabhängigen Rechtsmedizin in Marokko durch Aus- und Weiterbildung der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner und eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Justiz und Rechtsmedizin durch die Weiterbildung von Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten zu rechtsmedizinischen Themen.

Bei dem Seminar handelte sich um dreitägige Auftaktveranstaltung, zu der nur marokkanische Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner eingeladen waren. Im ersten Teil des Seminars erhielten diese einen Einblick in die Vorschriften der Strafprozessordnung in Deutschland. Hier wurde die Zusammenarbeit zwischen der Justiz und der Rechtsmedizin erläutert.

Konkret wurde erklärt, wie die Rechtsmedizin ins Strafverfahren einbezogen wird und wie mit möglichen fehlerhaften Gutachten strafrechtlich umgegangen wird. Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es um eine Einführung in die Arbeit der Rechtsmedizin im Ländervergleich von Marokko und Deutschland. Dabei wurden der derzeitige Stand sowie die vielfältigen Aufgabenfelder der Rechtsmedizin vertieft diskutiert. Darüber hinaus wurden weitere Fragen zur Ausbildung, Haftung und Versicherung beantwortet. Von großer Bedeutung war das Thema „Erstellung von Gutachten“, das am Praxisbeispiel „Sexualdelikt“ diskutiert wurde.

Im Auftrag der IRZ nahmen folgende Experten teil:

  • Zakaria Arousi, Abteilungsleiter für strafrechtliche Maßnahmen und justizielle Angelegenheiten, Staatsanwaltschaft Marokko;
  • Andreas Stüve, Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Düsseldorf;
  • Prof. Dr. Ahmed Belhouss, Institutsdirektor, Institut für Rechtsmedizin Marokko;
  • Prof. Dr. Michael Bohnert, Institutsdirektor, Institut für Rechtsmedizin der Universität Würzburg;
  • Prof. Dr. Knut Albrecht, Institutsdirektor, Brandenburgisches Landesinstitut für Rechtsmedizin.
Es hat sich gezeigt, dass die Themen auch dieser Auftaktveranstaltung auf großes Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen. Diese beteiligten sich rege an den Diskussionen und nutzten die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen. Eine weitere Vertiefungsveranstaltung soll Ende November stattfinden.