Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz in Marrakesch
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz in Marrakesch

Am 18. und 19. April 2018 veranstaltete die IRZ gemeinsam mit der marokkanischen Staatsanwaltschaft in Marrakesch die Konferenz „Leichenfund – Zusammenarbeit zwischen Justiz und Rechtsmedizin“. Diese fand im Rahmen des Projektes „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet der Rechtsmedizin unter besonderer Berücksichtigung der Belange der dortigen Justiz“ statt, das die IRZ im Zeitraum von 2017 bis 2019 im Rahmen der Projektförderung des Auswärtigen Amtes (Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten) umsetzt.

Ziel war es, den teilnehmenden Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten die Bedeutung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft, Rechtsmedizin und Polizei aufzuzeigen. Am Praxisbeispiel eines Leichenfundes wurde erörtert, welche entscheidende Rolle alle drei Akteure bei der Aufklärung von Straftaten einnehmen.

Am ersten Tag erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Einführung in die Arbeit der Rechtsmedizin und einer Mordkommission in Deutschland. Anschließend wurde erläutert, welche Rolle die Staatsanwaltschaft in Deutschland bei der Aufklärung von Straftaten einnimmt. Insbesondere die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft in Deutschland auch am Tatort anwesend ist, sorgte für Überraschung.

Am zweiten Tag ging es vertieft darum, welche Informationen und Spuren am Tatort von welchen Stellen aufgenommen werden und wie diese Informationen in rechtsmedizinischen Gutachten verwertet werden. Dabei wurde ausführlich erläutert, welche Fehler, sowohl bei der Spurensicherung als auch bei der Verfassung eines rechtsmedizinischen Gutachtens, vermieden werden sollten, damit das Gutachten vor Gericht verwertet werden kann. Im Zuge dessen wurde auch die Problematik von Verständnisschwierigkeiten zwischen Juristen und Medizinern behandelt, die dazu führen können, dass Gutachten vor Gericht unbrauchbar sind.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr interessiert an der Thematik und stellten zahlreiche konkrete Fragen. Es kristallisierte sich heraus, dass die Zusammenarbeit zwischen Staatsanwaltschaft, Rechtsmedizin und Polizei in Marokko anders verläuft, und somit war der Austausch darüber besonders fruchtbar. Die IRZ plant aufgrund dieser sehr positiven Resonanz in diesem Jahr noch zwei weitere Seminare zu dieser Thematik.

Das Thema Rechtsmedizin nimmt in Marokko eine große Bedeutung ein, da die Beteiligung von gut ausgebildeten Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmedizinern an der Aufklärung von Straftaten erkannt wurde und Veränderungen erwünscht sind. Dies zeigte sich nicht zuletzt daran, dass sogar die Agence Marocaine de Presse (MAP) über diese Veranstaltung berichtet hat.

Im Auftrag der IRZ nahmen folgende Experten teil:

  • Dr. med. Lars Oesterhelweg, stellvertretender Institutsdirektor am Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin,
  • Oberstaatsanwalt Ralph Knispel, Leiter der Abteilung für Kapitaldelikte der Staatsanwaltschaft Berlin und Vorsitzender der Vereinigung Berliner Staatsanwälte e.V.,
  • Kriminalhauptkommissar Christof Lehmkühler, Landeskriminalamt Berlin, sowie
  • Souidi El Hassan, stellvertretender Richter am Berufungsgericht Marrakesch.

Die Projektaktivitäten werden im Juni 2018 im Rahmen eines Studienbesuchs einer marokkanischen Delegation nach Berlin fortgesetzt.