Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Marokko

In enger Zusammenarbeit mit der marokkanischen Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) führte die IRZ in Rabat das Seminar „Soziale und psychologische Unterstützung von Inhaftierten“ am 11. und 12. Juli 2018 durch. Das Seminar war Teil des durch das Auswärtige Amt geförderten Projekts zur „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“, welches die IRZ in den Jahren 2017 bis 2019 umsetzt.

Das Projekt ermöglicht eine bessere Vernetzung und Verbindung der Inhaftierten mit ihrem sozialen Umfeld und der Gesellschaft sowie ein stärkeres Einbeziehen der Zivilgesellschaft in Marokko bei der sozialen und psychologischen Unterstützung von Haftinsassen.

Zwei Expertinnen aus dem Berliner Strafvollzug unterstützten die IRZ bei der Durchführung des Seminars:

  • Vera Schiepe, Gruppenleiterin in der Justizvollzugsanstalt Heidering, und
  • Catharina Troike-Yudha, Psychologin in der Justizvollzugsanstalt für Frauen Berlin.

Der stellvertretende Direktor der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung in Marokko, Hassan Hamina, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung. Er betonte die Resozialisierung sowie die Aufrechterhaltung von Sicherheit als Hauptaufgaben des Strafvollzuges.

Die marokkanischen Experten zeigten die soziale, psychologische und kognitive Betreuung als wichtigen Faktor für die Resozialisierung von Haftinsassen auf. Zur Diagnostik und Klassifizierung orientieren sie an internationalen Standards. Bei der Vorbereitung von Inhaftierten auf deren Entlassung arbeiten deshalb Psychologinnen und Psychologen in enger Abstimmung mit den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im marokkanischen Strafvollzug. Neben der Information der Haftinsassen über ihre Rechte und Pflichten liegt ebenso die Resozialisierung der Gefangenen in ihrem Aufgabenbereich. In Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen entwickeln sie Sensibilisierungsmaßnahmen sowie kulturelle und religiöse Veranstaltungen.

Die deutschen Expertinnen Vera Schiepe und Catharina Troike-Yudha betonten in ihren Referaten den Schutz der Allgemeinheit sowie die Resozialisierung der Inhaftierten als Ziele des Strafvollzuges. In der Form des offenen Vollzuges solle Gefangenen eine weitestmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter seien in der Stationsleitung auch Vorgesetzte der Vollzugsbeamten und damit Schlüsselansprechpartner für die Gefangenen. Unter Einbezug externer Akteure könnten in Deutschland im geschlossenen und offenen Vollzug psychotherapeutische Therapien durchgeführt und nach der Entlassung häufig weitergeführt werden.

In der Diskussion wiesen die marokkanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die bedeutende Rolle von Diagnostikverfahren zur Erkennung risikoreicher Inhaftierter hin. Ein häufig angesprochenes Thema war auch die Betreuung von Angestellten im Strafvollzug. 

Das Seminar-Thema traf auf großes Interesse. Im November 2018 wird das zweite Seminar zu diesem Themenbereich stattfinden.