Während des Seminars
Während des Seminars
Marokko

Am 11. und 12. September 2018 führte die IRZ in Rabat, Marokko, in Kooperation mit der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) das zweite Seminar zum Thema „Menschenwürdige Behandlung von Inhaftierten im marokkanischen Strafvollzug“ durch. Die Veranstaltung fand im Rahmen des durch das Auswärtige Amt geförderten Projekts zur „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“ statt, das die IRZ von 2017 bis 2019 umsetzt.

Als Experten unterstützten zwei Mitarbeiter des Berliner Strafvollzugs die IRZ bei der Durchführung des Seminars:

  • Stefan Tydecks, Psychologe in der Einweisungsabteilung bei der Justizvollzugsanstalt Moabit, und
  • Michael Weise, Leiter Allgemeiner Vollzugsdienst in der Justizvollzugsanstalt Tegel.

Zur Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachen der stellvertretende Direktor der DGAPR, Hassan Hamina, sowie Antje Gade, Leiterin der Rechts- und Konsularabteilung der deutschen Botschaft in Marokko. Hassan Hamina beschrieb die in Marokko geltenden gesetzlichen Grundlagen einer menschenwürdigen Behandlung von Inhaftierten. Die marokkanischen Referenten betonten den Stellenwert der Menschenrechte als elementaren Bestandteil einer Strategie der DGAPR zur Wahrung der menschenwürdigen Behandlung von Inhaftierten. Grundlegender Teil dieser Strategie sind die Nelson Mandela Rules in ihrer reformierten Fassung von 2015.

Die deutschen Experten wiesen ebenfalls auf die Nelson Mandela Rules als Grundlage einer menschenrechtlichen Behandlung hin. Diese bestimmen in Deutschland auch den Umgang mit Gruppen von Inhaftierten, die das Strafvollzugspersonal vor besondere Herausforderungen stellen.

Die Hauptaufgabe des Strafvollzuges in Deutschland ist die Vorbereitung der Inhaftierten auf ihre Entlassung durch Resozialisierungsmaßnahmen. Eine menschenwürdige Behandlung von Inhaftierten soll den Strafvollzugsbeamten während ihrer Ausbildung vermittelt werden. Mit Hilfe aktueller Beispiele sollen in ihrem Verlauf Menschenrechtsverletzungen thematisiert und es den Beamten ermöglicht werden, über ihr Selbstbild, ihre Erwartungen und den Beruf zu reflektieren. Die Ausbildungsprogramme der DGAPR haben ebenfalls eine menschenwürdige Behandlung zum Ziel. Hierzu arbeitet das Ausbildungszentrum mit pädagogischen Programmen zu den Grundprinzipien der Menschenrechte.

Die sich an die Vorträge anschließenden Diskussionen drehten sich schwerpunktmäßig um die Möglichkeiten von Haftinsassen, gegen die beschlossenen Vollzugspläne vorzugehen, sowie um ihre grundsätzlichen Rechte zur Anwendung von Rechtsmitteln.

Mit Hilfe dieser Komponente des oben genannten Projekts sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • ein besseres Verständnis für Regelverstöße durch Inhaftierte und Beamte,
  • mögliche Sanktionen in den Strafvollzuganstalten bei den Vollzugsbeamten,
  • eine bessere Aufklärung der Inhaftierten und ihrer Angehörigen über ihre Rechte und Pflichten sowie
  • eine intensivierte Kooperation mit den für die Menschenrechte beauftragten Institutionen und Organisationen.