Blick in den Seminarraum
Blick in den Seminarraum
Marokko

Am 13. und 14. November 2018 fand in Rabat, Marokko, in Kooperation mit der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) das zweite Seminar der IRZ zum Thema „Soziale und Psychologische Unterstützung der Inhaftierten“ statt. Die IRZ setzt in den Jahren 2017 bis 2019 ein durch das Auswärtige Amt gefördertes Projekt zur „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“ um, in dessen Rahmen die Veranstaltung stattfand.

Zur Begrüßung würdigte der Vertreter der DGAPR, Reolonane Koutane, die Kooperation zwischen Deutschland und Marokko, vertreten durch die IRZ und die DGAPR. Durch das Projekt ergäben sich wichtige Ansatzpunkte für die Verbesserung der Arbeit im Strafvollzug.

Ein Ziel des Projekts ist der Ausbau von Vermittlungseinrichtungen für Inhaftierte, vor allem in Hinblick auf ihre soziale, psychologische und familiäre Betreuung. Dabei sollen zivilgesellschaftliche Institutionen stärker einbezogen werden. Hierfür wurden im Rahmen des Seminars die notwendigen Bedingungen sowie mögliche Ansätze zur Umsetzung aufgezeigt.

Auf deutscher Seite wirkten als Expertinnen der IRZ zwei Mitarbeiterinnen des Berliner Strafvollzugs am Seminar mit:

  • Dr. Angelika Burghardt-Kühne, Psychologin in der Justizvollzugsanstalt Heidering, und
  • Vera Schiepe, Gruppenleiterin in der Justizvollzugsanstalt Heidering.

Da der Schutz der Gesellschaft sowie die Resozialisierung der Inhaftierten im deutschen Strafvollzug ebenfalls zentrale Ziele darstellen, referierten die beiden Expertinnen zur Rolle der Psychologinnen und Psychologen hierbei. In Deutschland verpflichte das Gesetz alle Akteure des Strafvollzuges zur Zusammenarbeit, um diese Ziele zu erreichen. Interne Regeln bestimmten deren feste Zuständigkeiten, während sich das Zusammenwirken aller Vollzugsakteure aus der Organisationsstruktur der jeweiligen Justizvollzugsanstalt ergäben. Den Psychologinnen und Psychologen im Strafvollzug kämen mit der Stellung von Diagnosen eine zentrale Funktion zu, wenn es um die Art der Strafverbüßung geht. Ihre Empfehlungen würden in einer Vollzugskonferenz vorgestellt und seien durch deren Beschluss rechtsverbindlich. Im Falle von Konflikten sei eine Moderation durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter als Teil eines Konfliktmanagements notwendig. Zu deren Aufgaben gehöre darüber hinaus die Intervention bei akuten Krisenereignissen.

Die Vorträge von Dr. Angelika Burghardt-Kühne und Vera Schiepe stießen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars auf großes Interesse. In den anschließenden lebhaften Diskussionen ging es hauptsächlich um die jeweils unterschiedlichen Rollen von Psychiaterinnen und Psychiatern auf der einen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern auf der anderen Seite. Thematisiert wurden auch Regeln für das Verhalten in Extremsituationen sowie der Status und die Verbindlichkeit des Vollzugsplans.

Das Seminar war Teil der Projekt-Komponente, die zum Ziel hat, die psychologische und soziale Betreuung der Inhaftierten zu verbessern, v.a. in Hinblick auf Vernetzung und Verbindung der Inhaftierten mit ihrem sozialen Umfeld und der Gesellschaft. Dabei geht es um eine bessere Betreuung und Unterstützung sowie die psychologische Beobachtung und Begleitung der Inhaftierten und die Einbindung ihres familiären Umfelds sowie der Zivilgesellschaft.

Zur Rolle der DGAPR

Zentrale Ziele der DGAPR sind der Schutz der Gesellschaft und eine menschenwürdige Behandlung der Haftinsassen. Zentral ist dabei die Arbeit von Psychologinnen und Psychologen im marokkanischen Strafvollzug, welche die Inhaftierten bei der Eingliederung in den Vollzugsalltag sowie bei der Resozialisierung nach der Haftentlassung unterstützen. Die bislang von der DGAPR durchgeführten Fortbildungen in diesem Bereich zeitigen bereits Erfolge, indem die Strafvollzugsbeamten zunehmend ihre Rolle als Referenzpersonen und Ansprechpartner/innen für die Inhaftierten wahrnehmen. 

Mit Hilfe einer dezentralen Politik soll zudem eine bessere Integration psychisch erkrankter Inhaftierter erreicht werden. Zur Stützung und Verbesserung der Situation von Haftinsassen spielt das familiäre Umfeld eine zentrale Rolle. Die Anwendung von Instrumenten wie biometrischen Techniken in Verbindung mit Aus- und Weiterbildungsprogrammen für die Inhaftierten dienen einer Strategie der DGAPR zur Senkung der Rückfallquote.