Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertengesprächs
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertengesprächs
Marokko

Am 27. März 2019 fand in Rabat ein hochrangiges Expertengespräch unter Teilnahme von Mitgliedern des Ausschusses für Justiz, Gesetzgebung und Menschenrechte im marokkanischen Parlament, Vertreterinnen und Vertretern der marokkanischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SMML) sowie der marokkanischen Staatsanwaltschaft statt. Im Zentrum des Gesprächs standen aktuelle Fragen bei der Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmedizinerinnen und Rechtsmediziner in Marokko.

Die Veranstaltung ist Teil eines dreijährigen Projekts, das die IRZ noch bis zum Ende dieses Jahres gemeinsam mit dem Institut für Rechtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin seit 2017 durchführt. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten gefördert.

Ziele des Projekts:

  • Förderung einer unabhängigen Rechtsmedizin in Marokko durch Aus- und Weiterbildung der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner,
  • Unterstützung der marokkanischen Partner bei der Entwicklung einer Berufsordnung und
  • Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Justiz und Rechtsmedizin durch die Weiterbildung von Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten zu rechtsmedizinischen Themen.

Das Expertengespräch setzte die im letzten Jahr begonnenen Diskussionsrunden zum Gesetzentwurf einer Berufsordnung für die Rechtsmedizin in Marokko fort. Ziel des Gesprächs war ein offener Austausch über den derzeit vorliegenden Entwurf sowohl aus Sicht des Gesetzgebers wie auch aus Sicht der Praxis (Rechtsmedizin und Staatsanwaltschaft in Marokko). Die Veranstaltung war der erste gemeinsame Erfahrungsaustausch überhaupt zwischen Rechtsmedizin, Staatsanwaltschaft sowie Parlamentarierinnen und Parlamentariern zu dem Gesetzentwurf einer Berufsordnung.

Als deutscher Experte nahm Prof. Dr. Michael Bohnert, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Würzburg, im Auftrag der IRZ an dem Fachgespräch teil. Die marokkanische Seite war hochrangig vertreten durch die Erste Stellvertreterin des Präsidenten des Ausschusses für Justiz, Gesetzgebung und Menschenrechte im marokkanischen Parlament, durch den Vertreter des Oberstaatsanwalts bei der marokkanischen Staatsanwaltschaft sowie durch den Vorsitzenden der marokkanischen Gesellschaft für Rechtsmedizin.

Folgenden Schwierigkeiten und Herausforderungen sieht sich die Rechtsmedizin in Marokko u.a. gegenüber:

  • fehlende finanzielle, institutionelle und organisatorische Strukturen,
  • Offene Fragen der Vergütung,
  • Mangel an Fachkräften,
  • Notwendigkeit der Nachwuchsförderung und Fortbildung,
  • Zulassungskriterien,
  • rechtlicher und persönlicher Schutz der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner.

Gegenstand der intensiven Diskussionen waren außerdem die Präzisierung des Tätigkeitsfeldes der Rechtsmedizin, die Konkretisierung der Qualitätsstandards für rechtsmedizinische Untersuchungen, wie z.B. Obduktion, sowie für rechtsmedizinische Gutachten. Diese Themenfelder sollen im Gesetzentwurf herausgearbeitet werden. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, dass die wichtige Rolle der Rechtsmedizin zur Unterstützung der Arbeit der Justiz und vor allem zur Gewährleistung eines fairen Verfahrens im Gesetzentwurf besonders hervorgehoben werden sollte.

Die marokkanischen Partner haben zum Ausdruck gebracht, dass sie sehr großes Interesse an einem weiteren Erfahrungsaustausch noch vor der letzten Lesung des Entwurfs im marokkanischen Parlament und der für Juni dieses Jahres geplanten Verabschiedung des Gesetzes haben. Im Herbst sollte dann ein weiteres Treffen zu konkreten Fragen der Umsetzung des Gesetzes stattfinden.