Seminar zur Einführung in die Toxikologie in Marrakesch

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Marokko

Am 6. und 7. Februar 2019 veranstaltete die IRZ gemeinsam mit der marokkanischen Staatsanwaltschaft in Marrakesch das Seminar „Einführung in die Toxikologie“. Dieses fand im Rahmen des Projektes „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet der Rechtsmedizin unter besonderer Berücksichtigung der Belange der dortigen Justiz“ statt, das die IRZ im Zeitraum von 2017 bis 2019 im Rahmen der Projektförderung des Auswärtigen Amtes (Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten) umsetzt.

Wie im vergangenen Jahr wurden bei dieser Veranstaltung rund 30 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner in den Grundlagen der Arbeit in toxikologischen Laboren geschult.

Ziel war es aufzuzeigen, welche Möglichkeiten die Toxikologie im Rahmen der Ermittlungsarbeit bietet. Anhand des Urins, des Blutes, der Haare und Organe lassen sich bereits einige Aussagen zur möglichen Todesursache durch verschiedene Substanzen treffen.

In zahlreichen Fallbeispielen gingen die als Experten geladenen deutschen Toxikologen vom Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin, André Niebel und Lena Westendorf, auf die Bedeutung und Methoden toxikologischer Untersuchungen bei der Aufklärung von Todesfällen ein. Zusätzlich hielten Vertreterinnen und Vertreter der marokkanischen Sûreté Nationale und der Gendarmerie Royale Vorträge über die Arbeit der in ihren Instituten ansässigen toxikologischen Labore.

In Marokko gibt es lediglich drei Labore (zwei in Rabat und eins in Casablanca), wo Proben untersucht werden können. Die unsachgemäße Lagerung der Proben beim Transport stellt folglich ein großes Problem dar.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Diskussionsrunden, um aktuelle Probleme bei der Zusammenarbeit zwischen Rechtsmedizin, Toxikologie und Staatsanwaltschaft anzusprechen. Bemängelt wurde insbesondere die Tatsache, dass Toxikologinnen und Toxikologen, nachdem sie von der Staatsanwaltschaft mit einer Untersuchung beauftragt wurden, keine Informationen zu rechtsmedizinischen Gutachten erhalten. Das erschwere die Arbeit erheblich. In Deutschland arbeiten Rechtsmedizin und Toxikologie hingegen Hand in Hand. Die regen Diskussionen zeigen, dass das Thema wichtig ist und weiterer Gesprächs- und Beratungsbedarf besteht.

Ende des Jahres 2019 soll ein weiteres Seminar zu diesem Thema in Tanger stattfinden.

Seminar in Rabat zum Thema „Governance – Kommunikations- und Planungsstrategien“

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Marokko

Am 11. und 12. Dezember 2018 fand in der marokkanischen Hauptstadt Rabat in Kooperation mit der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) das erste Seminar zum Thema „Governance – Kommunikations- und Planungsstrategien“ statt. Die IRZ setzt in den Jahren 2017 bis 2019 ein durch das Auswärtige Amt gefördertes Projekt zur „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“ um, in dessen Rahmen diese Veranstaltung stattfand.

Als Experten unterstützten zwei Mitarbeiter des Berliner Strafvollzugs die IRZ bei der Durchführung des Seminars:

  • Oberregierungsrat Ingo-Uwe Schümann, Referent in der Abteilung III für IT-Steuerung und die Digitalisierung des Berliner Justizvollzuges, und
  • Martin Guder, Sozialpädagoge und Teilanstaltsleiter in der JVA Tegel.

Zur Begrüßung würdigten der Vertreter der DGAPR, Reolonane Koutane, und Antje Gade, Leiterin der Rechts- und Konsularabteilung der Deutschen Botschaft in Rabat, die Kooperation zwischen Deutschland und Marokko, hier vertreten durch die IRZ und die DGAPR. Vor allem bei der Deradikalisierung der Inhaftierten, ein in Deutschland zunehmend wichtiges Thema, können beide Länder von den gegenseitigen Erfahrungen profitieren.

Zentrale Themen des Seminars waren:

  • die Entwicklung von Planungskapazitäten unter Einbezug externer Akteure,
  • interne und externe Kommunikationsstrategien sowie
  • die digitale Vernetzung in Verbindung mit der Umsetzung einer Dezentralisierung der Verwaltungsstrukturen.

Die deutschen Experten erkennen in der marokkanischen Entwicklung große Ähnlichkeiten zu den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte im deutschen Strafvollzug. Durch den Erhalt einer Behördenfunktion gewannen die Justizvollzugsanstalten mehr Verantwortung und Autonomie. In Marokko ist die Dezentralisierung der Verwaltungsstrukturen noch nicht so stark ausgeprägt, jedoch schreibt die Verfassung von 2011 ihre Förderung vor.

Die Aufgaben der DGAPR

Seit 2008 verwaltet die DGAPR eigenständig sämtliche Bereiche des Strafvollzugs. Neben der Zentralverwaltung in Rabat, verfügt die Behörde über Regionalvertretungen, welche die Aufsicht über die einzelnen Haftanstalten führen. Ein Informationsaustausch findet durch Sitzungen unterschiedlicher Regelmäßigkeit zwischen Regional- und Zentralverwaltung sowie den Anstaltsleiterinnen und Anstaltsleitern mit ihren Beamtinnen und Beamten statt. Die Vernetzung der einzelnen Justizvollzugsanstalten untereinander sowie zur Zentralverwaltung ist jedoch noch unzureichend ausgebaut.

Die beiden deutschen Experten legten in ihren Referaten dar, wie die Berliner Senatsverwaltung im Rahmen ihrer Fachaufsicht die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen durch die JVA überwacht. Zu den eingesetzten Steuerungsinstrumenten zählten allgemeine Handlungsleitlinien, eine Strategieplanung, die Jahresprogrammplanung der Einzelmaßnahmen, individuell mit jeder JVA abgeschlossene Zielvereinbarungen sowie die Entwicklung und Messung von Kennzahlen. 

Innerhalb des gesetzlichen Rahmens hätten die Justizvollzugsanstalten jedoch einen verfassungsmäßig garantierten Ermessensspielraum. Mithilfe regelmäßiger Besprechungsrunden zwischen Verwaltungs- und Anstaltsleitung werde auch in Deutschland eine direkte Kommunikation sichergestellt.

In den 2019 folgenden Veranstaltungen werden auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse dieses Seminars eine Kommunikations- sowie eine Planungsstrategie in Form von Handlungsempfehlungen für die DGAPR durch eine Arbeitsgruppe entwickelt werden.

Expertengespräch in Rabat zum Thema „Einarbeitung und Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmediziner“

Prof. Dr. Ahmed Belhouss, Institut für Rechtsmedizin Marokko; Dr. Michael Klintschar, Medizinische Hochschule Hannover; Zakaria Arousi, Staatsanwaltschaft Marokko (v.l.n.r.)
Prof. Dr. Ahmed Belhouss, Institut für Rechtsmedizin Marokko; Dr. Michael Klintschar, Medizinische Hochschule Hannover; Zakaria Arousi, Staatsanwaltschaft Marokko (v.l.n.r.)
Marokko

Am 28. November 2018 fand in Rabat ein Expertengespräch mit der Teilnahme der marokkanischen Staatsanwaltschaft und des marokkanischen Instituts für Rechtsmedizin (SMML) zum Thema „Einarbeitung und Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmediziner“ statt.

Die Veranstaltung ist Teil eines dreijährigen Projekts, das die IRZ gemeinsam mit dem Institut für Rechtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchführt und das vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten im Zeitraum 2017-2019 gefördert wird.

Das Ziel ist die Förderung einer unabhängigen Rechtsmedizin in Marokko durch Aus- und Weiterbildung der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner und eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Justiz und Rechtsmedizin durch die Weiterbildung von Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten zu rechtsmedizinischen Themen.

Dieses Expertengespräch war eine eintägige Vertiefungsveranstaltung, zu der ausgewählte marokkanische Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner sowie Staatsanwälte eingeladen waren.
Das Hauptdiskussionsthema in der Runde war der aktuelle Gesetzentwurf zur Berufsordnung für Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner in Marokko, der im nächsten Jahr verabschiedet werden soll.

  • Während des Fachgesprächs lag der Schwerpunkt besonders auf folgenden Themen:
  • Aufgaben, Rechte und Pflichten in der Rechtsmedizin,
  • Zulassung der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner,
  • Vorgaben für die Obduktion und Erstellung von Gutachten,
  • Haftung und strafrechtliche Maßnahmen sowie
  • Regelungen für Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner, die in der Rechtsmedizin tätig sind.

Darüber hinaus wurden die neuen Ansätze zur Aus- und Weiterbildung in der Rechtsmedizin diskutiert, die sich auch an Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner richten. Konkret ging es um die Schaffung neuer rechtsmedizinischer Zentren, in denen geschulte Allgemeinärzte einfache rechtsmedizinische Aufgaben übernehmen sollen.

Im Auftrag der IRZ nahmen folgende Experten teil:

  • Prof. Dr. Michael Klintschar, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Medizinische Hochschule Hannover,
  • Prof. Dr. Ahmed Belhouss, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin Marokko, sowie
  • Zakaria Arousi, Abteilungsleiter für strafrechtliche Maßnahmen und justizielle Angelegenheiten, Staatsanwaltschaft Marokko.

Im Rahmen des Fachgesprächs gab es einen regen Erfahrungsaustausch mit lebhaften Diskussionen. Die marokkanischen Partner brachten zum Ausdruck, dass sie an weiteren Fachgesprächen dieser Art interessiert sind. Thematisch ist ein Treffen zur Umsetzung des geplanten Gesetzes zur Berufsordnung angedacht.