Seminar „Management des Strafvollzugspersonals der DGAPR“ in Rabat

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Rabat

Am 10. und 11. April 2019 führte die IRZ in Kooperation mit der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) ein Seminar in Rabat zum Thema „Management des Strafvollzugspersonals der DGAPR“ durch. Die Veranstaltung fand im Rahmen des durch das Auswärtige Amt geförderten Projekts „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“ statt, das durch die IRZ im Zeitraum 2017 bis 2020 umgesetzt wird.

Das Seminar ist Teil der Projektkomponente zur Verbesserung der Personalentwicklung und Personalführung in den Strafvollzugsanstalten. Vermittelt werden sollen u.a. moderne Führungsmethoden sowie Motivations- und Aufwertungssysteme für die Vollzugsbediensteten.

Als IRZ-Expertinnen waren dabei:

  • Nadine Franasik, Leiterin Gesundheitsorientiertes Personalmanagement in der Jugendstrafanstalt Berlin, und
  • Kathrin Braun, Referentin in der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung.

Eröffnet und moderiert wurde das Seminar vom Abteilungsleiter für Personalangelegenheiten in der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung in Marokko, Radouane Kouta. Er stellte die bisherigen Entwicklungen und Bemühungen der DGAPR im Rahmen der Reform des Strafvollzugssystems in Marokko vor. Hier legt die DGAPR unter anderem großes Augenmerk auf die Entwicklung eines modernen Personalmanagements.
Während des Seminars wurde zunächst die Umsetzung internationaler Standards bei der Ausbildung von Vollzugspersonal thematisiert. Hier ging es vor allem um die Verankerung der Menschenrechte und die Orientierung an internationalen Grundsatzerklärungen, wie z.B. der sogenannten „Mandela Rules“. Darüber hinaus waren die Auswahlkriterien und Anforderungsprofile für das Fachpersonal wichtige Diskussionsthemen.

In Marokko ist man derzeit bestrebt, den gesamten Bereich der Personalrekrutierung für den Strafvollzugsdienst zu modernisieren und somit auch das Arbeitsfeld Strafvollzug insgesamt attraktiver zu gestalten. Intensive Diskussionen gab es darüber hinaus über die die möglichen beruflichen Risiken für Bedienstete im Strafvollzugsalltag. Hier ging es vor allem um Sicherheitsfragen in den einzelnen Anstalten und um die erhöhte psychische Beanspruchung des Personals durch besondere Belastungen im Gefängnisalltag, wie z.B. Überfüllung der Anstalten, Gewalt unter Gefangenen, aber auch durch Bestechung von Bediensteten. Abschließend kamen in dem Seminar die Personalentwicklung und Personalführung in den Strafvollzugsanstalten zur Sprache. Hier sind entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und der Motivation des Personals im marokkanischen Strafvollzug geplant. Dazu zählen z.B. die Schaffung einer Kommission zur Entwicklung von Auswahlkriterien für Vollzugsbeamte und eine Verbesserung der Ermittlung und Dokumentation der Bedürfnisse des Vollzugspersonals (Fragebögen). Zur Unterstützung der Reformvorhaben im Bereich Personalmanagement wird die Strafvollzugsbehörde in dieser Entwicklungsphase auch externe Schulungskräfte einsetzen.

Im Rahmen des Seminars gab es einen regen Erfahrungsaustausch mit lebhaften Diskussionen, in denen die deutsche Erfahrung im Bereich Personalmanagement in den Haftanstalten vorgestellt wurde. Aufgrund der hohen Aktualität des Themas besteht seitens der marokkanischen Strafvollzugsbehörde weiterhin ein großer Bedarf an der Fortsetzung der Gespräche, die im Herbst dieses Jahres vorgesehen ist.

Expertengespräch zur Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmedizinerinnen und Rechtsmediziner in Marokko

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertengesprächs
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertengesprächs
Marokko

Am 27. März 2019 fand in Rabat ein hochrangiges Expertengespräch unter Teilnahme von Mitgliedern des Ausschusses für Justiz, Gesetzgebung und Menschenrechte im marokkanischen Parlament, Vertreterinnen und Vertretern der marokkanischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SMML) sowie der marokkanischen Staatsanwaltschaft statt. Im Zentrum des Gesprächs standen aktuelle Fragen bei der Entwicklung einer Berufsordnung für Rechtmedizinerinnen und Rechtsmediziner in Marokko.

Die Veranstaltung ist Teil eines dreijährigen Projekts, das die IRZ noch bis zum Ende dieses Jahres gemeinsam mit dem Institut für Rechtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin seit 2017 durchführt. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Transformationspartnerschaften mit Nordafrika/ dem Nahen Osten gefördert.

Ziele des Projekts:

  • Förderung einer unabhängigen Rechtsmedizin in Marokko durch Aus- und Weiterbildung der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner,
  • Unterstützung der marokkanischen Partner bei der Entwicklung einer Berufsordnung und
  • Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Justiz und Rechtsmedizin durch die Weiterbildung von Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten zu rechtsmedizinischen Themen.

Das Expertengespräch setzte die im letzten Jahr begonnenen Diskussionsrunden zum Gesetzentwurf einer Berufsordnung für die Rechtsmedizin in Marokko fort. Ziel des Gesprächs war ein offener Austausch über den derzeit vorliegenden Entwurf sowohl aus Sicht des Gesetzgebers wie auch aus Sicht der Praxis (Rechtsmedizin und Staatsanwaltschaft in Marokko). Die Veranstaltung war der erste gemeinsame Erfahrungsaustausch überhaupt zwischen Rechtsmedizin, Staatsanwaltschaft sowie Parlamentarierinnen und Parlamentariern zu dem Gesetzentwurf einer Berufsordnung.

Als deutscher Experte nahm Prof. Dr. Michael Bohnert, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Würzburg, im Auftrag der IRZ an dem Fachgespräch teil. Die marokkanische Seite war hochrangig vertreten durch die Erste Stellvertreterin des Präsidenten des Ausschusses für Justiz, Gesetzgebung und Menschenrechte im marokkanischen Parlament, durch den Vertreter des Oberstaatsanwalts bei der marokkanischen Staatsanwaltschaft sowie durch den Vorsitzenden der marokkanischen Gesellschaft für Rechtsmedizin.

Folgenden Schwierigkeiten und Herausforderungen sieht sich die Rechtsmedizin in Marokko u.a. gegenüber:

  • fehlende finanzielle, institutionelle und organisatorische Strukturen,
  • Offene Fragen der Vergütung,
  • Mangel an Fachkräften,
  • Notwendigkeit der Nachwuchsförderung und Fortbildung,
  • Zulassungskriterien,
  • rechtlicher und persönlicher Schutz der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner.

Gegenstand der intensiven Diskussionen waren außerdem die Präzisierung des Tätigkeitsfeldes der Rechtsmedizin, die Konkretisierung der Qualitätsstandards für rechtsmedizinische Untersuchungen, wie z.B. Obduktion, sowie für rechtsmedizinische Gutachten. Diese Themenfelder sollen im Gesetzentwurf herausgearbeitet werden. Alle Anwesenden waren sich darüber einig, dass die wichtige Rolle der Rechtsmedizin zur Unterstützung der Arbeit der Justiz und vor allem zur Gewährleistung eines fairen Verfahrens im Gesetzentwurf besonders hervorgehoben werden sollte.

Die marokkanischen Partner haben zum Ausdruck gebracht, dass sie sehr großes Interesse an einem weiteren Erfahrungsaustausch noch vor der letzten Lesung des Entwurfs im marokkanischen Parlament und der für Juni dieses Jahres geplanten Verabschiedung des Gesetzes haben. Im Herbst sollte dann ein weiteres Treffen zu konkreten Fragen der Umsetzung des Gesetzes stattfinden.

Seminar „Soziale und psychologische Unterstützung der Inhaftierten“ in Casablanca

Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Casablanca
Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten des Seminars in Casablanca
Marokko

Am 27. und 28. März 2019 fand in Casablanca, Marokko, das dritte Seminar zum Thema „Soziale und Psychologische Unterstützung der Inhaftierten“ in Kooperation der IRZ mit der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung (DGAPR) statt. Die Veranstaltung lief im Rahmen des von 2017 bis 2020 durch das Auswärtige Amt geförderten Projekts „Zusammenarbeit mit dem Königreich Marokko auf dem Gebiet des Strafvollzugs“.

Im Auftrag der IRZ wirkten zwei Expertinnen aus dem Berliner Strafvollzug am Seminar mit: Dr. Angelika Burghardt-Kühne, Psychologin, und Vera Schiepe, Gruppenleiterin, die beide an der Justizvollzugsanstalt Heidering tätig sind.

Aufbauend auf den vorherigen Seminaren behandelte die Veranstaltung schwerpunktmäßig folgende Themen:

  • Auseinandersetzung der Inhaftierten mit ihrer Straftat,
  • Maßnahmen zur Unterstützung des Personals bei der Betreuung der Insassen,
  • Unterstützung von Resozialisierungsmaßnahmen durch Vollzugslockerungen sowie
  • Einbezug der Familie in therapeutische Maßnahmen.

Zur Resozialisierung werden in Marokko hauptsächlich Maßnahmen zur Bildung und informellen Erziehung zur Bekämpfung des Analphabetismus sowie zur Aus- und Weiterbildung der Inhaftierten durchgeführt. Außerdem gibt es Maßnahmen zur Freizeitgestaltung und eine psychologische Betreuung der Insassen. Hierzu bietet die DGAPR die Sonderprogramme „Nationalprogramm für geistige Gesundheit“ sowie „Nationalprogramm zur Vorsorge und Bekämpfung von Drogensucht“ an. Im Rahmen des letzteren wurden in fünf Haftanstalten Arbeitsgruppen zur Suchtbekämpfung in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium gegründet. In diesen Arbeitsgruppen arbeiten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Sozialassistentinnen und Sozialassistenten, Psychologinnen und Psychologen sowie Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner koordiniert zusammen. Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Resozialisierung von Inhaftierten leistet die marokkanische Zivilgesellschaft mit kulturellen Programmen und Ausbildungsmaßnahmen.

In Deutschland und Marokko werden ähnliche Programme zur Resozialisierung und Betreuung der Inhaftierten durchgeführt. So ist die Familie eines Inhaftierten in Deutschland an Maßnahmen zu dessen Resozialisierung ebenfalls beteiligt, allerdings im Vergleich zu Marokko nur in einem eingeschränkten Umfang. Ein weiteres zentrales Programm in Deutschland dient der Auseinandersetzung mit der Straftat, die auch im Strafvollzugsgesetz vorgesehen ist. Durch Entwicklung eines Problembewusstseins soll der Inhaftierte Verantwortung für seine Tat übernehmen. Dabei spielen ein gutes Empathievermögen der Strafvollzugsbeamten sowie die gemeinsame Entwicklung von Handlungsalternativen mit den Inhaftierten eine wichtige Rolle.

Die Expertinnen und Experten beider Länder stellten ähnliche Schwierigkeiten bei der Behandlung bestimmter Inhaftiertengruppen fest. Der Umgang mit Inhaftierten, die sich einer Auseinandersetzung mit ihrer Straftat verweigern, stellt den Strafvollzug in beiden Ländern vor Herausforderungen, da eine Teilnahme hieran in Marokko und Deutschland freiwillig ist. Besonders bei Hochrisikotäterinnen und Hochrisikotätern sehen die Expertinnen und Experten nur sehr begrenzte Möglichkeiten der Behandlung.

Eine zentrale Aufgabe des Strafvollzugspersonals besteht darin, Inhaftierte zur Teilnahme an Maßnahmen zur Resozialisierung zu motivieren. Damit dem Personal diese Aufgabe gelingt, ist es notwendig, dass es durch therapeutische Maßnahmen sowie ein behandlungsfreundliches Klima im Alltag unterstützt wird. Die Beamten sollten in einem geschützten Rahmen über ihre Erfahrungen sprechen können. Aus diesem Grund sind berufsübergreifende Fortbildungen als unterstützende Maßnahmen wesentlich.

Für Hochrisikotäter ist auf europäischer Ebene mit VERA 2 ein neues Instrument zur Einschätzung ihrer Gefährlichkeit entwickelt und in ersten deutschen Strafanstalten eingeführt worden. In Marokko besteht weiterhin ein Bedarf an Richtlinien und Handbüchern, um die soziale und psychologische Betreuung der Inhaftierten zu verbessern. Die IRZ hat mit ihrem Projekt in enger Absprache mit den Partnern von der DGAPR auf diesen Bedarf reagiert und in dieser Komponente ebenfalls eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Deren Ziele umfassen die Benennung einer Pilotanstalt, in der ein durch die Arbeitsgruppe geplantes Handbuch umgesetzt werden soll.