Einführung in das deutsche Recht für arabischsprachige Geflüchtete mit juristischem Hintergrund in Bonn

Die Seminargruppe zusammen mit Rechtsanwalt Jens Dieckmann
Die Seminargruppe zusammen mit Rechtsanwalt Jens Dieckmann
Multilateral

Nach den erfolgreichen Seminaren in den letzten zwei Jahren, veranstaltete die IRZ in Zusammenarbeit mit dem BMJV auch in diesem Jahr ein zweitägiges Seminar für arabischsprachige Geflüchtete mit juristischem Hintergrund zum Thema „Einführung in das deutsche Recht“ am 10. und 11. Dezember 2018 in Bonn.

Die IRZ möchte mit dieser Veranstaltung einen Beitrag zur Integration arabischsprachiger geflüchteter Juristinnen und Juristen leisten. Die meisten der acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ein rechtswissenschaftliches Studium abgeschlossen und waren zum Teil schon in Syrien als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt tätig.

Der zweitägige Workshop beinhaltete eine Einführung in die Grundlagen des deutschen Verfassungsrechts, den Gerichtsaufbau in Deutschland und die Grundzüge des allgemeinen Zivil- und Strafrechts. Auch Themen im Bereich des Sozial- und Asylrechts wurden ausführlich besprochen. Bei der Vermittlung der Inhalte wurde der Fokus auf anschauliche Fallbeispiele gelegt, die einen Bezug zu Alltagserfahrungen der Geflüchteten aufwiesen. Dies führte zu einem regen Austausch und vielen interessierten Nachfragen. Nicht selten konnten die syrischen Juristinnen und Juristen Parallelen zwischen dem deutschen und dem syrischen Rechtssystem entdecken.

Die Veranstaltung wurde konsekutiv übersetzt, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr positiv bewerteten. Auf diese Weise konnten sie ihr Sprachverständnis überprüfen und ausbauen.

Für Geflüchtete mit juristischem Hintergrund sind die Perspektiven, in Deutschland in einem juristischen Beruf Fuß zu fassen, zwar eingeschränkt, dieses Projekt bietet ihnen jedoch eine Chance. Nach Abschluss der Veranstaltung können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im privaten Umfeld beratend tätig sein und gegenüber deutschen Behörden als Vermittler dienen.

In diesem Jahr wurde die IRZ durch die erfahrenen Referenten Uwe Stark, Richter am Amtsgericht Siegen, Eda Yürüktümen, Richterin am Landgericht Bonn, und Jens Dieckmann, Rechtsanwalt für Asyl- und Strafrecht von der Kanzlei Becher & Dieckmann, unterstützt.

Herbstakademie für Studierende aus den Ländern der östlichen Partnerschaft und Russland in Bonn

Teilnehmer/innen der Herbstakademie beim Besuch der DHL
Teilnehmer/innen der Herbstakademie beim Besuch der DHL
Multilateral

Vom 27. Oktober bis 3. November 2018 lud die IRZ in einer Partnerschaft mit der Universität Lemberg und finanziert durch das Auswärtige Amt 21 Studentinnen und Studenten bzw. Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger aus 7 Ländern zu einer Herbstakademie in Bonn ein.

Voraussetzung zur Teilnahme an der Akademie waren hervorragende Deutschkenntnisse. Darüber hinaus hatte man darauf geachtet, dass die Studierenden bereits erste Kenntnisse vom Deutschen Recht hatten. So hatte eine Vielzahl der Personen bereits an der jährlichen „IRZ-Sommerschule Deutsches Recht“ in Bonn [LINK] teilgenommen.

Während eines siebentägigen Arbeitsprogramms konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertiefende Vorträge ins deutsche Recht hören. Rechtsanwältinnen, Rechtsanwälte, Richter, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und eine wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie eine Professorin hielten Vorträge zu den Themen:

  • EU-Recht,
  • Verfahren vor dem EGMR,
  • Internationales Privatrecht,
  • IT-Strafrecht,
  • Handels- und Personengesellschaftsrecht, 
  • Recht der Körperschaften, 
  • Schiedsgerichtsbarkeit, 
  • Steuerrecht, 
  • Recht der erneuerbaren Energien sowie
  • Insolvenzrecht.

Zudem erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Informationen über die internationale Verbandstätigkeit, und ein Rechtsanwalt berichtete von seiner Tätigkeit als Langzeitberater der IRZ innerhalb eines EU Technical-Assistance Projektes. Auch Besuche beim Bundeskartellamt und der Zentrale der DHL in Bonn fanden statt.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten ein großes Interesse und Engagement. Sie stellten viele Fragen während der Diskussionsrunden, und zum Ende der Veranstaltung nahmen sie an einem Abschlusstest in deutscher Sprache teil.

Ein wichtiger Baustein dieser Maßnahme war von Anfang an, dass sich die teilnehmenden Personen untereinander vernetzen, um sich zukünftig professionell austauschen zu können. Tatsächlich konnte auch dieses wichtige Ziel erreicht werden, ein erstes Indiz dafür ist ein Eintrag bei Facebook.

Achte „IRZ-Sommerschule Deutsches Recht“ in Bonn

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der achten „IRZ-Sommerschule Deutsches Recht“
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der achten „IRZ-Sommerschule Deutsches Recht“
Multilateral

Bereits zum achten Mal führte die IRZ ihre „Sommerschule Deutsches Recht“ durch, die in der Zeit vom 8. bis 14. Juli 2018 in Bonn stattfand. Auch in diesem Jahr waren wieder elf IRZ-Partnerstaaten beteiligt: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien, Georgien, Kasachstan, Kosovo, Russland, Serbien, Tunesien und die Ukraine. Kasachstan und Tunesien waren erstmals vertreten.

Wie berichtet bringt die Sommerschule, die ursprünglich als Ergänzung zum deutschsprachigen Begleitstudium zur Einführung in das Deutsche Recht an der Ivan-Franko-Universität Lemberg/Lviv (Westukraine) konzipiert wurde, regelmäßig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zahlreichen Partnerstaaten der IRZ zusammen und erfreut sich jedes Jahr einer wachsender Nachfrage. Unabdingbar für eine Teilnahme sind sehr gute Deutschkenntnisse.

Die diesjährige Sommerschule begann mit Vorlesungen zum Grundrechtsschutz, die sich mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sowie mit der Europäischen Menschenrechtskonvention beschäftigten.

Weitere Vorlesungen gab es zu folgenden Rechtsgebieten:

  • Zivilrecht,
  • Gesellschaftsrecht,
  • Insolvenzrecht,
  • Schiedsgerichtsbarkeit,
  • Europäisches Zivil- und Wirtschaftsrecht,
  • Straf- und Strafprozessrecht sowie
  • Anwaltsrecht.

Auch die Methodenlehre wurde behandelt. Wie jedes Jahr besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule Verhandlungen einer Zivil- und Strafkammer beim Landgericht Bonn. Sie führten außerdem Gespräche an der Universität Bonn, um sich über Studienmöglichkeiten für ausländische Studierende und Postgraduierte zu erkundigen.

Konzipiert ist die Sommerschule vornehmlich für einen Teilnehmerkreis von Studierenden sowie Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern in juristischen Berufen.

Die IRZ beabsichtigt, die gute Tradition der IRZ-Sommerschule auch aufgrund der großen und positiven Resonanz in den kommenden Jahren fortzuführen und damit weiterhin den juristischen Nachwuchs in den IRZ-Partnerstaaten zu fördern.