Grafik: IRZ
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Serbien

Am 9. Juni 2020 fand die Semesterabschlussveranstaltung des englischsprachigen Studiengangs „Master in European Integration“ der Juristischen Fakultät der Universität Belgrad statt. Dieser Studiengang wird von der IRZ unterstützt. Eröffnet wurde die Online-Veranstaltung mit ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch die Leiterin des Studiengangs, Prof. Dr. Dragica Vujadinovic. Anschließend sprach die stellvertretende deutsche Botschafterin in Serbien, Dorothea Gieselmann, über den deutschen Beitrag zur EU-Vorbereitung Serbiens. In ihrem Vortrag stellte sie den Ablauf der Vorbereitung eines EU-Beitritts sowie den bisherigen Stand der Beitrittsvorbereitungen mit Serbien dar. Dorothea Gieselmann erläuterte die Unterstützung durch Deutschland, sprach aber auch noch ausstehende Reformfortschritte im Bereich Rechtsstaatlichkeit als Haupthindernis für den Fortgang der Verhandlungen an und beschrieb die gegenwärtige allgemeine Situation der EU vor Beginn der deutschen Ratspräsidentschaft. An ihren Vortrag schlossen sich zahlreiche interessierte Fragen der Zuhörerinnen und Zuhörer an. Der Umstand, dass dabei auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank angesprochen wurde, zeigt anschaulich, wie intensiv die Masterstudierenden auch die Rechtsentwicklung in Deutschland beobachten.

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einem Referat des für Serbien zuständigen IRZ-Bereichsleiters Dr. Stefan Pürner zu den besonderen Herausforderungen der Sprachmittlung im juristischen Bereich. Ihr komme in der multilingualen Europäischen Union mit ihren in unterschiedlichen Rechtstraditionen stehenden Mitgliedsstaaten eine besondere Bedeutung zu. Dr. Pürner wies unter anderem darauf hin, dass bei der Kommunikation über juristische Sachverhalte zwischen kontinentaleuropäischen Staaten die Verwendung des Englischen zwangsläufig zu einem Informationsverlust führen müsse, da diese Sprache zahlreiche Rechtsinstitutionen und dogmatische Feinheiten nicht abbilden könne, die in den Common-Law-Ländern fremd seien. Die slawischen Sprachen und das Deutsche seien dagegen diesbezüglich weitgehend kompatibel. Deshalb gleiche eine Kommunikation in englischer Sprache zwischen Juristinnen und Juristen aus Deutschland und aus slawischen Staaten dem Versuch, die Stereoaufnahme eines Musikstücks zuerst in Mono umzuwandeln, um aus dem Ergebnis wiederum eine Stereoaufnahme zu machen.

Zu der Veranstaltung waren nicht nur gegenwärtige und frühere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Masterstudiengangs eingeladen. Weil sie online stattfand und z.B. auf LinkedIn bekannt gemacht worden war, nahmen auch zahlreiche Interessierte teil, die zu einer Präsenzveranstaltung in Belgrad nicht hätten kommen können. Darunter viele Projektpartnerinnen und Projektpartner, Expertinnen und Experten, Vertreterinnen und Vertreter von Mitgliedern sowie Alumni der IRZ. Dabei waren u.a.:

  • Gudrun Steinacker, ehemalige deutsche Botschafterin in Bulgarien, Nordmazedonien und Montenegro,
  • Staatssekretär a.D. Michael Haußner, ehemaliger IRZ-Berater sowohl des kroatischen wie montenegrinischen Justizministers,
  • Winfried Schubert, früher Präsident des Landesverfassungsgerichts Sachsen-Anhalt und des OLG Naumburg,
  • Notar a.D. Richard Bock, früher Vizepräsident der Bundesnotarkammer, sowie
  • Martin Knapp, Geschäftsführender Vorstand der Deutsch-Serbischen Wirtschaftskammer.