Regionalkonferenz in Tunis zum Thema De-Radikalisierung von Haftinsassen
Regionalkonferenz in Tunis zum Thema De-Radikalisierung von Haftinsassen
Tunesien

In Kooperation mit der tunesischen Strafvollzugsbehörde organisierte die IRZ am 2. und 3. Juli 2018 eine Regionalkonferenz mit dem Thema „De-Radikalisierung von Haftinsassen im Rahmen des Vollzugsplans“. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des von 2017 bis 2019 laufenden Projekts zur Förderung der Justizreform in Tunesien durchgeführt, welches durch das Auswärtige Amt gefördert wird.

An der Veranstaltung, die vom Generaldirektor der tunesischen Strafvollzugsbehörde, Illyes Zalleg, eröffnet wurde, nahmen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Strafvollzugsbehörden aus den Ländern Tunesien, Marokko und Algerien teil.

Zwei deutsche Experten unterstützten die IRZ bei der Durchführung der Konferenz:

  • Kai Abraham ist Referent in der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, welche die Aufsicht über die Justizvollzugsanstalten führt.
  • Feride Aktaş ist als Projektkoordinatorin beim Violence Prevention Network e.V. zuständig für die Maßnahmen in der Extremismus-Prävention sowie in der De-Radikalisierung extremistisch motivierter Gewalttäter im Bereich des religiösen sowie des politischen Extremismus.

Einführend erläuterten die Expertinnen und Experten der teilnehmenden Länder die gesetzlichen Grundlagen sowie praktische Erfahrungen im Umgang mit radikalisierten Haftinsassen. Thematisiert wurden weiterhin Maßnahmen im Vollzugs- und Übergangsmanagement. Im abschließenden Themenblock wurden konkrete Betreuungsmaßnahmen zur De-Radikalisierung Inhaftierter aufgezeigt.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten großes Interesse, abzulesen an der regen Diskussion. Besonders interessierten sie sich für konkrete Beispiele aus Deutschland für Maßnahmen zur Betreuung radikalisierter Inhaftierter. Schwerpunkt der Debatten war weiterhin, wie der Gefährdungsgrad der Gefangenen festgestellt werden kann. Aufgrund vorhandener Radikalisierungstendenzen in den Haftanstalten wiesen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Aktualität des Themas sowie auf den hohen Handlungsdruck hin.

Großes Augenmerk wurde ebenfalls auf die Betreuung der Inhaftierten im Vorlauf beziehungsweise nach der Entlassung aus der Haft gelegt. Die Notwendigkeit einer engmaschigen Begleitung und Unterstützung radikalisierter ehemaliger Gefangener wurde besonders betont. Zur Durchführung dieser Betreuungsmaßnahmen können Organisationen und Experten aus der Zivilgesellschaft eingebunden werden. Von Bedeutung ist die Beteiligung von Angehörigen und weiteren Schlüsselpersonen. Darüber hinaus muss das Personal während seiner Ausbildung besonders für den Umgang mit radikalisierten Insassen sensibilisiert werden.

Die Regionalkonferenz ermöglichte einen Austausch über Formen der Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen an der Durchführung von Maßnahmen der De-Radikalisierung und vermittelte konkrete Konzepte für einen Umgang mit radikalisierten Inhaftierten.

Alle Beteiligten betrachteten die Tagung als wichtigen Austausch über die Erfahrungen mit radikalisierten Insassen. Die IRZ wird die Reformvorhaben im tunesischen Strafvollzug unter anderem im Hinblick auf die Resozialisierung und Vorbereitung der Gefangenen auf ihre Entlassung weiter begleiten.