Tunesische Delegation im Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen
Tunesische Delegation im Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen
Tunesien

In der Zeit vom 26. August bis 1. September 2018 besuchte eine Delegation aus Vertreterinnen und Vertretern der Strafvollzugsbehörde und des Strafvollzugsdienstes Tunesiens das Justizministerium sowie verschiedene Strafvollzugsanstalten des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der „Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung Tunesien“ und unter Federführung der französischen Organisation „Justice Coopération Internationale“ (JCI) durchgeführt und durch die Europäische Union im Rahmen des Twinning-Projekts „Renforcement des institutions de l‘administration pénitentiaire“ zur Reform des Strafvollzugs in Tunesien gefördert. Das Projekt begann im Oktober 2015 und läuft bis September 2018.

Die Hauptziele des Projekts sind:

  • Aufbau der institutionellen Kapazitäten der Generaldirektion für Strafvollzug und Resozialisierung,
  • Unterstützung der Nationalen Hochschule für Strafvollzug und Resozialisierung bei der Entwicklung eines neuen Trainings- und Ausbildungsprogramms sowie 
  • Ausarbeitung eines nationalen Konzepts für die schrittweise Einführung eines Bewährungshilfesystems in Tunesien.

Zum Auftakt wurden die tunesischen Gäste durch Jakob Klaas, Ministerialdirigent im Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen, in Düsseldorf empfangen. Dort erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Einführung in den nordrhein-westfälischen Strafvollzug. Konkret ging es um den Aufbau und die Organisation des Strafvollzugs und die Vermittlung eines Überblicks über folgende Themen:

  • Strafaussetzung zur Bewährung, 
  • Rolle und Aufgaben der Bewährungshelfer, 
  • Aufnahme von und den Umgang mit terroristischen Inhaftierten sowie 
  • Zusammenarbeit mit den Medien und die Öffentlichkeitsarbeit.

An den folgenden Tagen besuchte die Delegation verschiedene Strafvollzugsanstalten, u.a. die JVA Geldern, die Jugendstrafanstalt Heinsberg, die Frauenstrafanstalt Willich II und die Anstalt des offenen Vollzugs Moers-Kapellen. Dort wurden insbesondere folgende Themen besprochen:

  • Ablauf und Anforderungen an die Vollzugsplanung für Inhaftierte,
  • Vollzugspersonal (Zahlen, Laufbahnen, Personalentwicklung),
  • Angebote der beruflichen Bildung sowie Arbeitstherapien für Inhaftierte, 
  • Unterschiede zwischen geschlossenem und offenem Vollzug sowie
  • Besonderheiten der verschiedenen Anstalten. 

Zudem konnten die tunesischen Gäste die verschiedenen Ausbildungsbetriebe, Sportplätze, Bibliotheken und Zellen der Inhaftierten in Augenschein nehmen. 

Die behandelten Themen während der Studienreise stießen auf sehr großes Interesse bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese beteiligten sich rege an den Diskussionen und nutzten die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen. 

In Tunesien gerät das Thema Resozialisierung der Inhaftierten immer stärker in dem Fokus. Aus diesem Grund besteht weiterhin ein großer Bedarf an Wissensaustausch auf diesem Gebiet.

Funded by the European Union