Tunesische Delegation in der JVA Plötzensee
Tunesische Delegation in der JVA Plötzensee
Tunesien

Im Rahmen der von der IRZ in Kooperation mit der Senatsverwaltung Berlin organisierten Studienreise vom 16. bis 19. Juli 2019 nach Berlin tauschten sich Leiterinnen und Leiter tunesischer Justizvollzugsanstalten (JVA) mit deutschen Expertinnen und Experten zum Thema „Einbindung von wirtschaftlichen Akteuren in den Strafvollzug und Anpassung der Ausbildungsangebote unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des deutschen Arbeitsmarktes“ aus.

Während des Besuchs in der JVA Plötzensee wurde die Delegation vom Leiter des Bereichs Ausbildung und Qualifizierung empfangen, der die tunesischen Gäste über die Ausbildung- und Qualifizierungsmöglichkeiten im Berliner Strafvollzug informierte. Er betonte dabei die gesetzlich geregelte Arbeitspflicht der Inhaftierten im Berliner Strafvollzugsgesetz.

Während eines anschließenden Rundgangs besichtigte die Delegation verschiedene Ausbildungsstätten innerhalb der JVA. Von besonderem Interesse für die tunesischen Gäste war hier die Zusammenarbeit mit dem privatwirtschaftlichen Unternehmen Booh-Outfit, das in der JVA Plötzensee seine T-Shirts bedrucken lässt. Die Kooperation zwischen einem privatwirtschaftlichen Unternehmen und einer JVA sowie die rechtliche Grundlage dieser Zusammenarbeit waren das Schwerpunktthema des Fachgesprächs zwischen der Delegation sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA Plötzensee.

Am zweiten Tag fand ein Fachgespräch mit anschließendem Rundgang mit dem Leiter der Abteilung Ausbildung und Qualifizierung, Lars Hoffmann, in der JVA Tegel statt. Ein Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit nahm ebenfalls am Gespräch teil. Er stellte die Zusammenarbeit zwischen der Agentur und der JVA vor. So haben die Inhaftierten in den Berliner Strafvollzugsanstalten die Möglichkeit, sich durch die Bundesagentur für Arbeit Ausbildungen bei externen Trägern (wie z.B. der Helmut-Ziegler-Stiftung) fördern zu lassen. Zudem besteht die Möglichkeit für Inhaftierte, die eine Haftzeit von weniger als 3 Jahren verbüßen, Ausbildungsmodule abzuschließen, die nach der Entlassung als Ausbildungsinhalte angerechnet werden können.

Durch die dreitägige Studienreise erhielten die tunesischen Anstaltsleiterinnen und Anstaltsleiter vertiefte Einblicke in das deutsche Strafvollzugssystem und dessen facettenreiche Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren im Bereich der Ausbildung und Qualifizierung von Inhaftierten. In den engagierten Diskussionen und durch ihre Nachfragen bei den deutschen Partnern machten die tunesischen Gäste deutlich, dass sie die fachlichen Informationen als Anregung für die Weiterentwicklung des tunesischen Strafvollzugs nutzen wollen.

Die Studienreise wurde im Rahmen des seit 2017 bis Ende 2019 laufenden Projekts zur Förderung der Justizreform in Tunesien durchgeführt, welches durch das Auswärtige Amt gefördert wird.