Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schulung „Soft Skills“ in Tunis
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schulung „Soft Skills“ in Tunis
Tunesien

Am 4. und 5. Juli 2019 veranstaltete die IRZ in Kooperation mit dem tunesischen Justizministerium eine Schulung zu persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen in der beruflichen Praxis. Die Veranstaltung richtete sich an Richterinnen und Richter aus verschiedenen Regionen Tunesiens und wurde durch die IRZ-Experten Christian Schmitz-Justen, Vizepräsident des Oberlandesgerichts Köln, und Dr. Georg Winkel, Vorsitzender Richter am Landgericht Köln, unterstützt.

Am ersten Seminartag gingen die IRZ-Experten zunächst näher auf die Voraussetzungen für den Richterberuf in Deutschland ein. In diesem Zusammenhang erläuterte Christian Schmitz-Justen das Einstellungsverfahren in Nordrhein-Westfalen und betonte, dass nicht nur Examensnoten entscheidend seien, sondern neben der fachlichen insbesondere die persönliche Eignung von großer Bedeutung sei. Die tunesischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten in diesem Zusammenhang den Wunsch, die Prüfung der sozialen Kompetenz ebenfalls als ein Einstellungskriterium im tunesischen System einzuführen.

Im Anschluss referierte Christian Schmitz-Justen über die kollegiale Beratung in der Justiz Nordrhein-Westfalens und stellte dabei Modelle, Wirkungsebenen und Vorteile kollegialer Beratung vor. Er verwies auf eine wissenschaftliche Untersuchung, die den Nutzen dieser Beratungsform belege. Für die tunesischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es bereichernd, nicht nur mehr über die Erfahrungen der Justiz Nordrhein-Westfalens mit kollegialer Beratung zu hören, sondern auch über die Fortbildungsmöglichkeiten für Richterinnen und Richter in Deutschland im Bereich persönlicher und sozialer Kompetenzen.

Beim zweiten thematischen Block des ersten Schulungstages ging es um die mündliche Verhandlung in Zivilsachen, wobei der Fokus zum einen auf dem gerichtlichen Vergleich und zum anderen auf der Mediation lag.

Am zweiten Veranstaltungstag ging Dr. Georg Winkel näher auf die Würdigung des Zeugenbeweises im Strafprozess ein. Dabei stellte er zunächst Beweisgrundsätze im deutschen Strafprozess vor und tauschte sich im Anschluss mit den tunesischen Kolleginnen und Kollegen über die Vorgehensweise bei der Beurteilung von Zeugenaussagen aus. So wurden u.a. Signale für (un)wahre Aussagen von Zeuginnen und Zeugen, das Vorgehen im Fall widersprüchlicher Beweismittel und auch die Glaubwürdigkeit sozialer Netzwerke als Beweismittel diskutiert.

Insgesamt war die zweitägige Schulung von intensiven Diskussionen und einem lebhaften Austausch geprägt. Die sehr aktive Beteiligung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer verdeutlichte das große Interesse an dem Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und tunesischen Kolleginnen und Kollegen.

Die Schulung fand im Rahmen der Gemeinsamen Absichtserklärung über ein Arbeitsprogramm der Zusammenarbeit in den Jahren 2019 bis 2020 zwischen dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und dem Justizministerium der Republik Tunesien statt.