Delegation des ukrainischen Revisionsverwaltungsgerichts zu Gast beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig

Präsident des Bundesverwaltungsgerichts Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Rennert (Mitte) und Präsident des Revisionsverwaltungsgerichts Mykhailo Smokovych (links daneben)
Präsident des Bundesverwaltungsgerichts Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Rennert (Mitte) und Präsident des Revisionsverwaltungsgerichts Mykhailo Smokovych (links daneben)
Ukraine

Eine Delegation des ukrainischen Revisionsverwaltungsgerichts im Obersten Gericht war am 5. und 6. Dezember 2018 zu Gast beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Dessen Präsident, Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Rennert, begrüßte den ukrainischen Amtskollegen Mykhailo Smokovych und acht weitere Richterinnen und Richter des Revisionsverwaltungsgerichts zum Auftakt der Fachgespräche, die die Gäste aus Kiew im Laufe zweier Arbeitstage mit dem Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht Prof. Dr. Ingo Kraft und dem Richter am Bundesverwaltungsgericht Martin Steinkühler führten.

Themen des fachlichen Austausches der deutschen und ukrainischen Verwaltungsrichterkollegen waren Aufgabe und Funktionsweise eines Revisionsgerichts, das dort geltende Verfahrensrecht sowie eine funktionsgerechte und effektive Fallbearbeitung. Auch die Rolle und Bedeutung des Bundesverwaltungsgerichts als erstinstanzliches Gericht z.B. bei großen öffentlichen Infrastruktur-Planverfahren wurde erörtert.

Zuvor war die ukrainische Delegation bereits zwei Tage zu Gesprächen in Mainz mit der Präsidentin des Verwaltungsgerichts Mainz, Dr. Bettina Freimund-Holler, und deren, Vize Dr. Christof Berthold. Dort nahmen die ukrainischen Gäste auch an zwei Verhandlungen des Verwaltungsgerichts teil. Zuvor hatten auch der Präsident und die Vizepräsidentin des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz, Dr. Lars Brocker und Dagmar Wünsch, sowie der Geschäftsführer der IRZ, Dr. Stefan Hülshörster, die Delegation begrüßt und den fachlichen Teil des Aufenthalts eingeführt.

Mit ihrer bereits seit dem Jahr 2005 bestehenden eigenständigen Verwaltungsgerichtsbarkeit ist die Ukraine auf diesem für die rechtsstaatliche Entwicklung besonders wichtigen Gerichtszweig einer der Vorreiter unter den osteuropäischen Staaten. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit bildet daher auch einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit der IRZ mit ihren ukrainischen Partnern.

Die IRZ berät die Ukraine daneben seit einigen Jahren bei der Ausarbeitung eines - lange erwarteten - Verwaltungsverfahrensgesetzes, das bisher noch nicht verabschiedet werden konnte. In einer vom ukrainischen Justizministerium wiederbelebten Arbeitsgruppe wird nun unter Mitwirkung der IRZ der Entwurf wieder beraten und hoffentlich bald in der Verhovna Rada verabschiedet.

Präsidentin des ukrainischen Obersten Gerichts zu Fachgesprächen in Karlsruhe

Präsidentin des Bundesgerichtshofes Bettina Limperg, Präsidentin des Obersten Gerichts Valentyna Danishevska, Hauptgeschäftsführerin der IRZ Veronika Keller-Engels (vorne v.l.n.r.)
Präsidentin des Bundesgerichtshofes Bettina Limperg, Präsidentin des Obersten Gerichts Valentyna Danishevska, Hauptgeschäftsführerin der IRZ Veronika Keller-Engels (vorne v.l.n.r.)
Ukraine

Am 7. August 2018 führte eine Delegation des ukrainischen Obersten Gerichts mit dessen Präsidentin, Valentyna Danishevska, auf Einladung der IRZ Fachgespräche beim Bundesgerichtshof und beim Oberlandesgericht in Karlsruhe. Im Bundesgerichtshof wurde Frau Danishevska von ihrer Kollegin Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofes, empfangen.

An den Fachgesprächen, die die Einheitlichkeit der Rechtsprechung zum Schwerpunkt hatten, nahmen zudem Dr. Eva Menges, Richterin am Bundesgerichtshof vom XI. Zivilsenat, und Dr. Ute Hohoff, Richterin am Bundesgerichtshof vom 1. Strafsenat, teil. Im Rahmen dieses Treffens schilderte Präsidentin Danishevska auch eindrücklich die derzeitige Justizreform in der Ukraine, so vor allem den Neuaufbau des Obersten Gerichts und die Stärkung der Richterschaft durch das neue Gesetz „Über den Höchsten Rat der Rechtsprechung“.

Am Nachmittag empfing der Präsident des Oberlandesgerichts, Alexander Riedel, die ukrainischen Gäste im Oberlandesgericht in Karlsruhe. An den Gesprächen nahmen außerdem teil:

  • Helmut Perron, Vizepräsident des Oberlandesgerichts,
  • Dr. Jens Martin Zeppernick, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht, und
  • Dr. Julia Kürz, Richterin am Oberlandesgericht.

Themen dieser Gespräche waren die richterliche Unabhängigkeit, Aufgaben des Präsidiums sowie die Geschäftsverteilung und das damit verbundene Justizgrundrecht des gesetzlichen Richters.

Die Bedeutung des Arbeitsbesuches der Präsidentin des im Dezember letzten Jahres neu gegründeten Obersten Gerichts in Karlsruhe zeigte sich auch an der Teilnahme des Botschafters der Ukraine, Dr. Andrij Melnyk, sowie des Generalkonsuls der Ukraine in München, Yurii Yarmilko.

Zum Hintergrund: Die Neustrukturierung und Neugründung des Obersten Gerichts erfolgte gemäß des im Juni 2016 verabschiedeten neuen Gerichtsverfassungsgesetzes, demzufolge die Obersten Fachgerichte (Oberstes Verwaltungsgericht, Oberstes Wirtschaftsgericht, Oberstes Fachgericht für Zivil- und Strafsachen) abgeschafft und jeweils als Kassationsgerichte beim neu eingerichteten Obersten Gericht installiert wurden. In der ersten und zweiten Instanz bleiben die Verwaltungsgerichte und Wirtschaftsgerichte erhalten. Im Übrigen wurde die in der Ukraine bereits seit 2005 bestehende eigenständige Verwaltungsgerichtsbarkeit durch die ebenfalls vom Juni 2016 datierende Verfassungsänderung nun auch in der Verfassung verankert.

Für die 120 Richterstellen (je 20 pro Kassationsgericht) des neuen Obersten Gerichts mussten sich die Bewerberinnen und Bewerber einem strengen Auswahlverfahren unterziehen, das eine hohe Qualifikation und Integrität der Richterinnen und Richter gewährleisten sollte. Nach der „Revolution der Würde“ auf dem „Maidan“ soll auf diese Weise auch das Vertrauen der ukrainischen Bevölkerung in die Justiz verbessert werden. Es wurde daher auch der „Gesellschaftliche Integritätsrat“ als Element der Zivilgesellschaft in das Auswahlverfahren einbezogen, der zu einigen der Kandidaten ein negatives Votum abgegeben hatte.

Am 11. November 2017 wurden schließlich 114 Richterinnen und Richter vereidigt. Das neue Gericht, das nun nicht mehr „Oberstes Gericht der Ukraine“, sondern nur noch „Oberstes Gericht“ heißt, wurde am 15. Dezember 2017 eröffnet.

Delegation des ukrainischen Justizministeriums zur HKÜ-Arbeitstagung in Wustrau und Berlin

Die deutschen Experten mit der ukrainischen Delegation in Wustrau
Die deutschen Experten mit der ukrainischen Delegation in Wustrau
Ukraine

Vom 14. bis 19. Mai 2018 hielt sich erneut eine Delegation des Justizministeriums der Ukraine auf Einladung der IRZ zu einer Arbeitstagung zur Implementierung des „Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung“ in Wustrau und Berlin auf.

Nachdem die IRZ vor etwa einem Jahr eine Tagung zum Thema „HKÜ und Mediation“ durchgeführt hatte, widmete sich diese Veranstaltung den im Zusammenhang mit der Umsetzung des HKÜ notwendigen Änderungen der nationalen ukrainischen Gesetzgebung.

Der Delegation gehörten die für internationale Übereinkommen zuständige Abteilungsleiterin, Tamara Andriieva, die zuständige Referatsleiterin, Olha Zozulia, sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter des ukrainischen Justizministeriums an. Auch das Sozialministerium sowie weitere für die HKÜ-Implementierung relevante Behörden wie der Staatliche Grenzdienst, der rechtswissenschaftliche Dienst des Obersten Gerichts und die Nationale Polizei waren beteiligt.

Von deutscher Seite waren das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) durch Simon Trost und das Bundesamt für Justiz als für das HKÜ zuständige zentrale Behörde durch Christian Höhn vertreten. Zudem wirkte die HKÜ-Verbindungsrichterin Martina Erb-Klünemann, Richterin am Amtsgericht Hamm, an der Tagung mit.

Die Veranstaltung bot die Möglichkeit, sich über die im Entwurf vorliegenden Änderungsvorschläge fachlich auszutauschen. Im Anschluss an die Fachgespräche mit den deutschen Kolleginnen und Kollegen, die aus der deutschen Praxis der HKÜ-Implementierung und von entsprechenden rechtlichen Regelungen berichteten, widmeten sich die Delegationsmitglieder der vertiefenden Textarbeit an ihren Entwürfen.

Zum Abschluss der Arbeitswoche fand ein weiterführendes und abschließendes Gespräch im BMJV statt, an dem auch die beiden Referatsleiter, Regierungsdirektorin Dr. Nicola Wenzel und Ministerialrat Dr. Matthias Heger, teilnahmen.

Auch in der Vergangenheit brachten diese deutsch-ukrainischen Treffen mit der Möglichkeit eines direkten fachlichen Austausches der jeweils beteiligten Behörden und Personen für die Abwicklung von Kindesentführungsfällen gemäß HKÜ konkrete praktische Fortschritte. Die Arbeit an den genannten Gesetzesänderungen soll einen weiteren Beitrag zu einer effektiveren Implementierung des HKÜ in der Ukraine leisten.