Praxisnaher Austausch zum deutschen Justizvollzug

Die Delegation des kosovarischen Strafvollzugsdienstes in Plötzensee
Die Delegation des kosovarischen Strafvollzugsdienstes in Plötzensee
Kosovo

Plötzensee, Lichtenberg, der Offene Vollzug: Eine hochrangige Delegation des kosovarischen Strafvollzugsdienstes reiste Anfang Juli 2026 im Rahmen einer von der IRZ organisierten Studienreise durch die Berliner Vollzugslandschaft. Es handelte sich um die gezielte Fortsetzung eines Dialogs, der 2025 mit dem IRZ-Seminar „Umgang und Schutz von vulnerablen Gruppen im Freiheitsentzug“ begonnen hatte. Im Mittelpunkt der Reise standen praxisnahe Einblicke in den deutschen Justizvollzug sowie der Austausch zu Schutzstandards, Resozialisierung und der Zusammenarbeit verschiedener Akteure im Strafvollzug.

Gespräche auf Augenhöhe

Die Delegation führte Fachgespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Freien Hilfe Berlin e. V., der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz sowie verschiedener Berliner Justizvollzugseinrichtungen. Erörtert wurden unter anderem der Umgang mit vulnerablen Gruppen im Justizvollzug, Resozialisierungs- und Behandlungskonzepte, die Zusammenarbeit zwischen Strafvollzug und Bewährungshilfe sowie das Übergangsmanagement auf dem Weg in ein straffreies Leben.

Drei Anstalten, drei Perspektiven

Ihren besonderen Mehrwert entfaltete die Studienreise dort, wo Theorie auf Praxis traf: in der Justizvollzugsanstalt des Offenen Vollzugs Berlin, der Justizvollzugsanstalt für Frauen Berlin-Lichtenberg und der Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Drei Häuser mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten – vom offenen bis zum geschlossenen Vollzug, von gemischten bis zu frauenspezifischen Konzepten – und damit drei Gelegenheiten, bewährte Ansätze unmittelbar vor Ort zu diskutieren und ihre Übertragbarkeit auf den kosovarischen Kontext auszuloten.

Für die kosovarische Delegation bot dieser Mix aus Gesprächen und Vollzugsalltag die Möglichkeit, eigene Erfahrungen und Reformvorhaben einzubringen und zugleich unterschiedliche Facetten des deutschen Justizvollzugs kennenzulernen. Besonders hervorgehoben wurden die enge Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure, die vielfältigen Resozialisierungsangebote sowie der menschenrechtsorientierte Umgang mit vulnerablen Gruppen und Inhaftierten.

Ein Vorbild für Europa

Wie nachhaltig dieser Eindruck war, machte Delegationsleiter Ismail Dibrani, Generaldirektor des Strafvollzugsdienstes des Kosovo, in seiner Bilanz deutlich: „Für den Justizvollzugsdienst des Kosovo war diese Studienreise eine der wichtigsten Studienreisen überhaupt. Was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben, ist ein Vorbild – nicht nur für uns, sondern für ganz Europa. Einer der wichtigsten Aspekte war die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft sowie der respektvolle Umgang mit den Inhaftierten. Diese bewährten Praktiken möchten wir künftig auch in unserem Land umsetzen. Ein besonderer Dank gilt dem deutschen Staat für seine kontinuierliche Unterstützung des Kosovo in allen Entwicklungsphasen sowie der IRZ für die Organisation und Ermöglichung dieser äußerst wichtigen Studienreise“, so Dibrani weiter.

Die IRZ wird die deutsch-kosovarische Zusammenarbeit im Bereich des Justizvollzugs auch künftig begleiten und ihre Partnerinstitutionen bei der weiteren Stärkung eines rechtsstaatlichen und resozialisierungsorientierten Strafvollzugs unterstützen.