Hybridseminar „Organisation und effiziente Verfahrensführung in der Wirtschaftsgerichtsbarkeit“. Jordanien
Aktuelle Reformen und praktische Ansätze zur effizienteren Bearbeitung wirtschaftsrechtlicher Streitigkeiten diskutierten Richterinnen und Richter aus Amman, Zarqa und Irbid mit Dr. Martin Vomhof, Vorsitzender Richter am Landgericht Düsseldorf und Dr. Arnd Weishaupt, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf in einer hybriden Veranstaltung am 21. Oktober 2026.
Die deutschen Experten stellten die Arbeitsweise der traditionellen Kammern für Handelssachen sowie die Besonderheiten der 2025 neu geschaffenen Commercial Courtsvor. Zur Sprache kam dabei unter anderem die grundsätzliche Frage: Führt die Einrichtung spezialisierter Commercial Courts für wirtschaftlich bedeutende Streitigkeiten zu einer Zweiklassenjustiz? In diesem Zusammenhang wurde erläutert, dass die neuen Gerichte insbesondere die Attraktivität des deutschen Justizstandorts stärken und zugleich die Gerichte anderer Instanzen entlasten sollen, ohne den allgemeinen Zugang zur ordentlichen Gerichtsbarkeit einzuschränken.
Der rechtsvergleichende Austausch zeigte, dass die Verbesserung der Wirtschaftsgerichtsbarkeit auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen kann: bei der Organisation der Abläufe, der Spezialisierung der Gerichte und einer vorausschauenden Verfahrensführung. Die Veranstaltung bot den jordanischen und deutschen Beteiligten Gelegenheit, ihre jeweiligen Erfahrungen einzubringen und mögliche Anregungen für die eigene Gerichtspraxis mitzunehmen.
Die Teilnehmenden des Seminars „Internationale Bank- und Handelsgeschäfte“ Jordanien
Die IRZ setzte am 20. Oktober ihre fachliche Zusammenarbeit mit dem jordanischen Justizrat mittels eines Hybridseminars für Richterinnen und Richtern verschiedener Gerichte aus Amman und Zarqa fort. Richter Rami Salah des erstinstanzlichen Gerichts in Amman und der Vorsitzende Richter Dr. Tobias Oelsner des Landgerichts Berlin erläuterten die rechtlichen Grundlagen internationaler Bank- und Handelsgeschäfte. Im Mittelpunkt standen insbesondere Fragen des anwendbaren Rechts und der internationalen gerichtlichen Zuständigkeit. Dabei wurden die einschlägigen rechtlichen Rahmenbedingungen, darunter das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch, das Handelsgesetzbuch, die Rom-I-Verordnung und das UN-Kaufrecht sowie internationale Regelwerke der Internationalen Handelskammer beleuchtet.
Ein besonderer Fokus lag auf der praktischen Abwicklung und Absicherung internationaler Handelsgeschäfte. Anhand von Dokumentenakkreditiven und Bankgarantien wurde die Rolle der beteiligten Banken sowie die rechtlichen Besonderheiten dieser Sicherungsinstrumente erörtert. Auch die weltweit einheitlichen Handelsklauseln der internationalen Handelskammer und ihre Bedeutung für die Verteilung von Kosten und Risiken bei internationalen Warenlieferungen wurden thematisiert.
Doch auch die gerichtliche Streitbeilegung bei internationalen Wirtschaftsgeschäften wurde intensiv besprochen. Hierzu wurden die Strukturen der deutschen Wirtschaftsgerichtsbarkeit vorgestellt – von den traditionellen Kammern für Handelssachen bis zu den neu geschaffenen Commercial Courts. Dabei ging es insbesondere um die Verfahrensgestaltung und die effiziente Bearbeitung komplexer wirtschaftsrechtlicher Streitigkeiten. Ergänzend wurde auch die internationale Handelsschiedsgerichtsbarkeit angesprochen.
Die anschließenden Diskussionen ermöglichten einen Vergleich der jordanischen und deutschen Rechtspraxis, insbesondere hinsichtlich der rechtlichen Absicherung grenzüberschreitender Geschäfte und der unterschiedlichen Möglichkeiten der Streitbeilegung.
Die Teilnehmenden des Mediationsseminars in Amman Jordanien
Nicht jeder Konflikt muss vor Gericht entschieden werden. Mediation bietet die Möglichkeit, tragfähige und interessengerechte Lösungen zu entwickeln und damit gerichtliche Verfahren sinnvoll zu ergänzen. Welche Voraussetzungen hierfür geschaffen werden müssen und welche Erfahrungen Deutschland und Jordanien auf diesem Gebiet bereits gesammelt haben, stand im Mittelpunkt eines Seminars, das die IRZ am 1. Juli 2026 gemeinsam mit ihren jordanischen Partnern in Amman durchführte.
Zum Auftakt stellte Ayed Al-Dhayabat, Richter in Amman, sowohl die historische Entwicklung als auch den aktuellen Stand der Mediation in Jordanien vor. Strukturiert erläuterte er unterschiedliche Formen und Prinzipien der Mediation. Die Abgrenzung der Mediation zu gerichtlichen Entscheidungen und Schiedsverfahren und das Prinzip der Allparteilichkeit waren sodann Schwerpunkt der Leiterin der Koordinierungsstelle für gerichtliche Mediation an den Zivilgerichten in Berlin und Richterin am Landgericht a.D., Anne-Ruth Moltmann-Willisch. Anschaulich erläuterte sie die fünf Phasen der Mediation: Einführung, Bestandsaufnahme und Themensammlung, Bearbeitung von Konfliktfeldern und Interessen, Entwicklung und Bewertung von Lösungsoptionen.
Die Teilnehmenden brachten ihre eigenen Erfahrungen aus der gerichtlichen Praxis aktiv ein und diskutierten Möglichkeiten, die Mediation als Instrument der Streitbeilegung weiter zu stärken. Anhand konkreter Fallbeispiele aus dem Zivil- und Handelsrecht analysierten sie Konfliktdynamiken und entwickelten gemeinsam geeignete Mediationsstrategien. Die Diskussionen zeigten, dass gerade in komplexen wirtschaftsrechtlichen Streitigkeiten eine strukturierte Mediation zu tragfähigen und nachhaltigen Lösungen beitragen kann.