Fortschritte bei der Wiedereingliederung Strafgefangener ins Berufsleben

Gruppenbild der Teilnehmenden des Workshops „Wiedereingliederung Strafgefangener ins Berufsleben“
Gruppenbild der Teilnehmenden des Workshops „Wiedereingliederung Strafgefangener ins Berufsleben“
Algerien

Wie können Strafgefangene nach Verbüßung ihrer Haftstrafe erfolgreich in das Berufsleben integriert werden? Dieser Frage widmeten sich deutsche und algerische Expertinnen und Experten anlässlich eines Workshops mit der algerischen Strafvollzugsbehörde in Algier. Für die teilnehmenden Referentinnen und Referenten steht fest: eine an rechtsstaatlichen Prinzipien ausgerichtete Wiedereingliederung ehemaliger Strafgefangener ins Berufsleben inklusive Entlassungsvorbereitung und Übergangsmanagement kann die Rückfallquote enorm senken. Thematisiert wurde in diesem Zusammenhang auch die generell hohe Rückfallquote Drogenabhängiger in beiden Ländern sowie der Bedarf sozialpädagogischer und psychologischer Dienste.

Die IRZ führte bereits vor einigen Jahren ein erfolgreiches Tandemprojekt mit den algerischen Strafvollzugsbehörden durch, das in Arbeitsgruppen mehrere Handbücher zum Strafvollzug entwickelte. Diese Handbücher zum Zugangsverfahren, zu individuellen Resozialisierungsplänen für Strafgefangene sowie zur Ausbildung des Strafvollzugpersonals finden im algerischen Strafvollzugspraxis bereits praktische Anwendung. Selbstverständlich wurden sie auch im Rahmen dieser Veranstaltung herangezogen und werden nach Bedarf weiterentwickelt.

Neben den rechtlichen Grundlagen der Wiedereingliederung lagen die thematischen Schwerpunkte des Workshops auf der Zusammenarbeit mit externen Akteuren wie Vermittlungsagenturen, staatlichen Arbeitsämtern sowie industriellen und landwirtschaftlichen Betrieben. So berichteten algerische Expertinnen und Experten von gestiegenen Zahlen absolvierter Berufsausbildungen in einem dualen Ausbildungssystem in unterschiedlichen Werkstätten (Schreinereien, Schmieden, im Textilbereich, Druckereien, Recycling / Abfallwirtschaft). Besonders interessant für die algerische Seite waren die von dem Vollzugsleiter der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Berlin, Kai Abraham, erwähnten gezielten Partnerschaften mit Industriebetrieben in der Automobilindustrie, die ihre Fertigungsprozesse zum Teil direkt in deutschen JVAs durchführen.

Abschließend konnte die deutsche Expertenseite einen praktischen Einblick in die ca. 80km von Algier entfernte Haftanstalt El Kolaiya bekommen, in der eine Arbeitsvermittlungsagentur Bewerbungstrainings durchführte und Vertreter der Forstwirtschaft Strafgefangene zum Teil in individuellen Gesprächen über die Möglichkeiten einer Mikrokreditvergabe für Kleinunternehmer in der Fortwirtschaft und Imkerei informierten.

Einig waren die sich die deutschen Expertinnen und Experten, dass seit Beginn der Beratungen zum Strafvollzug in Algerien Fortschritte in der weiteren Professionalisierung von Unterstützungsmaßnahmen zur Wiedereingliederung Strafgefangener gemacht wurden, Prozesse insgesamt transparenter und vermehrt an rechtsstaatlichen Prinzipien ausgerichtet sind.