Sitzungsleitung und Videoverhandlungen in der gerichtlichen Praxis

Die Teilnehmenden des Hybrid-Seminars in Amman
Die Teilnehmenden des Hybrid-Seminars in Amman
Jordanien

Wie lässt sich eine gerichtliche Verhandlung effizient und zugleich fair leiten? Welche Möglichkeiten bietet der Einsatz von Videotechnik im Gerichtsverfahren? Und welche Anforderungen stellen sich dabei an zentrale Verfahrensgrundsätze wie Protokollierung, Beweiswürdigung und den Umgang mit Sachverständigen?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines zweitägigen Hybrid-Seminars, das die IRZ am 12. und 13. Mai 2026 gemeinsam mit der jordanischen Justizakademie in Amman durchführte. Die Veranstaltung richtete sich an jordanische Richterinnen und Richter und befasste sich mit der Leitung gerichtlicher Sitzungen sowie den Einsatz von Videoverhandlungen in der strafrechtlichen und zivilrechtlichen Praxis.

Neben dem aktuellen Stand der Implementierung in Jordanien wurden insbesondere die Rolle und Verantwortung der Vorsitzenden, die Strukturierung der Hauptverhandlung, die Gewährleistung eines fairen Verfahrens sowie die Sicherung der Verfahrensrechte der Beteiligten thematisiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf rechtlichen und praktischen Fragen digitaler Verhandlungen, etwa bei Beweisaufnahme und Vernehmungen per Video sowie im Hinblick auf Verteidigungsrechte, Öffentlichkeit, Unmittelbarkeit und Wahrheitsfindung.

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Sitzungsleitung und digitale Verfahrensformen nicht nur organisatorische Fragen betreffen, sondern unmittelbar mit Verfahrensfairness, effektiver Prozessführung und einer modernen gerichtlichen Praxis verbunden sind.

Die IRZ besteht weiterer Bedarf an vertieftem fachlichem Austausch zu konkreten Anwendungsfällen digitaler Verhandlungen und zu praktischen Leitlinien für eine faire und strukturierte Sitzungsleitung.