Studienreise für armenische Nachwuchsjuristen und -juristinnen
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- Veröffentlicht: Freitag, 17. Juli 2026
Wenn sieben junge Juristinnen und Juristen aus Eriwan an einem Vormittag im Sitzungssaal des Landgerichts Düsseldorf einer Verhandlung folgen und an einem Nachmittag in einer Justizvollzugsanstalt stehen, wird aus einem Studienbesuch schnell mehr als ein Blick in ein fremdes Rechtssystem: Es wird ein direkter Vergleich im Hinblick auf die eigene Zukunft als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt, bei der Staatsanwaltschaft oder Richterschaft.
Vom 6. bis 10. Juli 2026 führte eine Studienreise der IRZ armenische Nachwuchsjuristinnen und -juristen durch Nordrhein-Westfalen und Heidelberg. Die Gruppe war keine zufällige Auswahl: Die jungen Juristinnen und Juristen hatten zuvor am renommierten Moot Court der IRZ teilgenommen, der seit 2016 gemeinsam mit der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Staatlichen Universität Eriwan ausgerichtet wird – und gehörten zu dessen Gewinnerinnen und Gewinnern. Die Reise bot ihnen die Gelegenheit, das deutsche Rechtssystem nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis vor Ort kennenzulernen.
Fünf Tage, ein Rechtssystem
Im Zentrum der Studienreise stand die Frage, wie deutsche Institutionen und Behörden im juristischen Alltag tatsächlich arbeiten. Die Delegation besuchte dafür das Oberlandesgericht Köln, die Landgerichte Köln und Düsseldorf, das Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die Generalstaatsanwaltschaft Köln und die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. In Heidelberg standen vier Stationen auf dem Programm: das Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, die Rechtsfakultät der Universität Heidelberg sowie die Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-Württemberg (Außenstelle Heidelberg) und BIOS-Akademie Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V., BIOS-Opferschutz Heidelberg.
Bewusst blieb es dabei nicht bei Gesprächen und Vorträgen: Die Teilnehmenden verfolgten reale Gerichtsverhandlungen und besuchten eine Justizvollzugsanstalt – zwei Einblicke, die in keinem Lehrbuch in dieser Unmittelbarkeit zu finden sind. Ergänzt wurde das Programm um die Arbeitsweise von Bewährungshilfe und Opferschutz: zwei Bereiche, die in der akademischen Ausbildung oft nur am Rande vorkommen, für die Praxis der Strafjustiz aber zentral sind.
Eine Gruppe mit vielen Perspektiven
Die Zusammensetzung der Delegation spiegelte die Breite des armenischen Nachwuchses im Rechtsbereich wider: ein Staatsanwalt, zwei Rechtsanwältinnen, zwei Lehrkräfte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Staatlichen Universität Eriwan sowie Studentinnen und Studenten verschiedener Universitäten aus ganz Armenien. Begleitet wurde die Gruppe von Frau Prof. Dr. Anna R. Margaryan, Lehrstuhlinhaberin für Strafrecht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Staatlichen Universität Eriwan – ein Zeichen für die enge und langjährige Anbindung der Reise an die Partnerhochschule.
Diese Vielfalt an Erfahrungsstufen, von Studierenden bis zu Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, führte zu einem lebendigen Austausch: Wer selbst schon vor Gericht steht, stellt andere Fragen als jemand, der die Prozessordnung noch aus dem Seminar kennt. Genau dieses Nebeneinander unterschiedlicher Blickwinkel machte den fachlichen Dialog mit den deutschen Gesprächspartnerinnen und -partnern besonders ergiebig.
Teil einer größeren Partnerschaft
Die Studienreise steht nicht für sich allein, sondern reiht sich ein in eine langjährige Zusammenarbeit der IRZ mit dem armenischen Aus- und Fortbildungswesen im juristischen Bereich. Durchgeführt wurde sie in Kooperation mit der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Staatlichen Universität Eriwan – derselben Partnerinstitution, mit der die IRZ seit 2016 auch den Moot Court ausrichtet, aus dem die Teilnehmenden hervorgegangen sind.
Am Ende der Woche stand ein durchweg positives Fazit: Die Teilnehmenden zeigten sich engagiert, stellten interessierte Nachfragen und äußerten sich sehr zufrieden mit der Durchführung. Für die IRZ ist das zugleich Bestätigung und Ansporn, den Austausch mit dem juristischen Nachwuchs Armeniens fortzusetzen.